INTERVIEW


Fundament Mensch
​Soziale Nachhaltigkeit und Gesundheitsmanagement als Pfeiler unternehmerischer Verantwortung 

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Die Transformation der Arbeitswelt betrifft alle Branchen – auch das Baugewerbe. Doch wie gelingt der digitale, ökologische und demografische Wandel in der Praxis? Andreas Poller ist Geschäftsführer der Brumm-Bau GmbH in Meißen, einem mittelständischen Bauunternehmen mit rund 60 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Wir haben mit ihm darüber gesprochen, warum gerade die Themen soziale und gesundheitliche Nachhaltigkeit für sein Unternehmen eine zentrale Rolle spielen und wie das ESF-Bundesprogramm Zukunftszentren konkrete Veränderungen im Unternehmen angestoßen hat.  

Herr Poller, was sind aktuell die größten Herausforderungen in der Baubranche?

Andreas Poller: Die wirtschaftliche Lage ist angespannt. Durch den Konjunktureinbruch gibt es im Neubaugeschäft weniger Aufträge. Das führt dazu, dass der Wettbewerb im Bereich des Bestandsbaus – und dort sind wir mit Brumm-Bau vor allem tätig – deutlich zunimmt. Wir profitieren davon, dass wir in der Region gut vernetzt sind. 

Sie sind Geschäftsführer eines mittelständischen Handwerksunternehmens – kommen Sie selbst aus dem Handwerk? 

Andreas Poller: Ja, ich habe meinen Beruf von der Pike auf gelernt und zwar noch in der DDR als Baufacharbeiter. Schon damals zog es mich in die Welt: Ich war in Luxemburg, später dann auch in Kanada, Ägypten, Schottland und Taiwan tätig. Ich habe internationale Großprojekte wie Schnellbahntrassen, Staudämme und Brücken mitgebaut. Parallel habe ich mich kontinuierlich weiterqualifiziert – vom Vorarbeiter über den Industriemeister bis hin zum Betriebswirtschaftsstudium im Abendkurs. 2021 habe ich schließlich den Sprung in die Selbstständigkeit gewagt. Der damalige Inhaber Herr Brumm hat mir Mut gemacht, sein Unternehmen fortzuführen


„Beim digitalen Wandel ist mir vor allem wichtig, zeitaufwendige Prozesse zu verschlanken.“

Das Programm Zukunftszentren unterstützt Unternehmen beim digitalen, ökologischen und demografischen Wandel. Wie spiegeln sich diese Themenfelder in Ihrem Unternehmen wider?

Andreas Poller: Beim digitalen Wandel ist mir vor allem wichtig, zeitaufwendige Prozesse zu verschlanken. Ein gutes Beispiel ist unsere digitale Zeiterfassung, die wir gemeinsam mit dem Regionalen Zukunftszentrum Sachsen eingeführt haben. Entscheidend war, die Belegschaft mitzunehmen und Berührungsängste abzubauen. Der externe Blick und der direkte Einbezug der Kolleginnen und Kollegen haben viel zur Akzeptanz beigetragen. Die Zusammenarbeit mit den Zukunftszentren war für uns ein Türöffner für weitere Veränderungsprozesse. Was den ökologischen Wandel betrifft, ist unser Geschäftsmodell bereits vollständig darauf ausgelegt: Wir arbeiten überwiegend im Bestand und im Denkmalschutz – das ist nachhaltiges Bauen im besten Sinne. Statt Gebäude abzureißen, erhalten wir sie und nutzen die enthaltene „graue Energie“ weiter. Besonders im Fokus steht für uns derzeit die soziale Nachhaltigkeit. Unser Durchschnittsalter liegt bei rund 50 Jahren – wir stellen uns daher ganz konkret die Frage, wie wir Arbeit auf dem Bau so gestalten können, dass sie auch langfristig gesundheitlich tragfähig ist. Wir möchten unsere Mitarbeitenden möglichst lange im Unternehmen halten, um ihr Wissen und ihre Erfahrungen zu sichern. 


„Unser Durchschnittsalter liegt bei rund 50 Jahren – wir möchten unsere Mitarbeitenden möglichst lange im Unternehmen halten, um ihr Wissen und ihre Erfahrungen zu sichern.“

Was konkret tun Sie im Bereich der sozialen Nachhaltigkeit – und welche Wirkungen erzielen Sie damit?

Andreas Poller: Unsere Schlüsselfrage ist: Wie können wir körperlich belastende Tätigkeiten durch neue Technologien und gesündere Gewohnheiten erleichtern?

Im letzten Jahr haben wir zum ersten Mal einen Gesundheitstag organisiert. In Kooperation mit einer Krankenkasse haben wir praxisnahe Stationen aufgebaut. Eine Fitnesstrainerin hat uns beraten, wir konnten Bewegungsabläufe digital analysieren und in Echtzeit nachvollziehen, welche Gelenke bei bestimmten Aufgaben besonders beansprucht werden. Ein Highlight war der Einsatz eines Exoskeletts : Die digitale Analyse zeigte eindrucksvoll, wie stark damit zum Beispiel Rücken und Gelenke beim Tragen von Zementsäcken entlastet werden. Auch Themen wie gesunde Ernährung und Schlaf haben wir nicht ausgelassen.

Welche weiteren Maßnahmen sind geplant?

Andreas Poller: Der Gesundheitstag war nur der Anfang. Ich arbeite daran, mehrere Exoskelette anzuschaffen, damit möglichst viele Mitarbeitende davon profitieren. Leider sind die Anschaffungskosten sehr hoch – darum suche ich aktiv nach Fördermöglichkeiten. Der Bedarf ist da: Die Kolleginnen und Kollegen haben den Nutzen erkannt und wünschen sich diese Entlastung. Parallel planen wir die Einführung einer Rückenschule und für den Sommer den Einsatz von Kühlwesten – das klingt banal, hilft aber spürbar bei der Arbeit im Freien.


„Im Bestandsbau ist körperliche Arbeit nach wie vor unverzichtbar – hier gibt es keine Roboter, die Mauern verspachteln oder Zementsäcke verschieben. Unser soziales Kapital sind unsere Mitarbeitenden.“


Wie gelingt Ihnen dieser Spagat – zwischen gesundheitlichen Ansprüchen und den oft rauen Realitäten des Baualltags?

Andreas Poller: Im Bestandsbau ist körperliche Arbeit nach wie vor unverzichtbar – hier gibt es keine Roboter, die Mauern verspachteln oder Zementsäcke verschieben. Unser soziales Kapital sind unsere Mitarbeitenden. Umso wichtiger ist es, präventiv zu handeln. In der letzten Betriebsversammlung habe ich sensibilisiert: Wenn wir keine Verletzungen riskieren wollen, dann müssen wir konsequent handeln. Anfangs wurden Vorschläge wie Kühlwesten oder Exoskelette belächelt. Aber wenn man offen über Risiken und Erfolge spricht, dann begreifen alle: Es geht um unsere eigene Gesundheit.


„Vertrauen ist die Grundlage für alles. Es wächst, wenn Entscheidungen nachvollziehbar sind und wenn jeder die Möglichkeit hat, sich einzubringen."

Welche Rolle spielt Vertrauen in diesem Zusammenhang?

Andreas Poller: Vertrauen ist die Grundlage für alles. Es wächst, wenn Entscheidungen nachvollziehbar sind und wenn jeder die Möglichkeit hat, sich einzubringen. Diesen Perspektivwechsel haben wir nicht zuletzt durch das Programm der Zukunftszentren nachhaltig verankern können, dafür bin ich als Geschäftsführer sehr dankbar. 


Herr Poller, wir danken Ihnen für Ihre Zeit und das interessante Gespräch. Wir wünschen Ihrem Unternehmen weiterhin viel Erfolg!


Hier geht es zum Podcast „Zukunftsmusik“ der Zukunftszentren mit Andreas Poller.

Andreas Poller ist Geschäftsführer der Brumm-Bau GmbH in Meißen. 
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Die Fragen stellte Tanja Lakeit. Sie ist Mitarbeiterin im Fachbereich „Fachkräftesicherung“ beim RKW Kompetenzzentrum.
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Das ESF-Plus-Programm Zukunftszentren (01/2023 bis 12/2026) unterstützt vorwiegend KMU über Beratungs- und Qualifizierungsangebote, um den digitalen, ökologischen und demografischen Wandel zu gestalten. Das Programm basiert auf drei Säulen: den Regionalen Zukunftszentren, dem Haus der (Solo-)Selbstständigen und dem Zentrum Zukunft der Arbeitswelt, das das Wissen bündelt und die überregionale Vernetzung fördert.  

Das RKW Kompetenzzentrum setzt gemeinsam mit den Partnern Arbeit und Leben Sachsen, ATB Chemnitz sowie dem IAT Stuttgart das Zentrum Zukunft der Arbeitswelt um. In Sachsen ist zusätzlich das RKW Sachsen im Regionalen Zukunftszentrum aktiv.
Gefördert wird das Programm aus Mitteln des BMAS, des ESF Plus sowie aus Landesmitteln. 

Haben wir Ihr Interesse geweckt? 

Dann besuchen Sie gerne unsere Website www.zukunftszentren.de und kommen mit uns ins Gespräch. 

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