KOLUMNE


Generation Z:

Zart besaitet? Oder einfach ehrlich (erschöpft)?

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Die Generation Z hat es medial nicht leicht. Mal gilt sie als zu sensibel, mal als arbeitsunwillig, mal als kollektiv therapiebedürftig. Früher hieß es „Reiß dich zusammen“, heute offenbar „Ruf deinen Therapeuten an“. Klingt nach Verfall der Leistungsbereitschaft, ist aber vor allem ein Perspektivwechsel.


Denn die Gen Z (Geburtsjahrgänge ca. 1995 bis 2010/12) ist eine Generation, die nie erlebt hat, wie sich die Welt ohne Dauerkrise anfühlt. Finanzkrise, Pandemie, Klimakollaps, Krieg in Europa, Inflation – Stabilität kennen viele höchstens aus dem Geschichtsunterricht. Wer unter solchen Bedingungen gelegentlich nervös wird, ist nicht schwach, sondern realistisch.

Diese Dauerbeschallung mit schlechten Nachrichten wirkt auf die Gen Z wie ein paradoxes Trainingslager: maximal anstrengend, aber nicht wirkungslos. Die Krisenpermanenz ist Stressfaktor und Resilienz-Booster zugleich. Viele junge Menschen reagieren nicht mit Rückzug, sondern mit Engagement, etwa fürs Klima, für soziale Themen, für gesellschaftliche Verantwortung. Sie organisieren, diskutieren, protestieren und entwickeln Lösungen, während ältere Generationen noch darüber streiten, ob „das alles wirklich so schlimm ist“. 
 
Doch all dieses Engagement hat seinen Preis. Wer permanent Verantwortung übernimmt, spürt früher oder später auch die eigene Erschöpfung. Genau hier beginnt der Teil der Gen-Z-Geschichte, der in der öffentlichen Debatte oft missverstanden wird.

Ja, junge Menschen berichten häufiger von Stress, Ängsten und mentaler Erschöpfung als frühere Generationen. Der entscheidende Unterschied: Sie sprechen darüber. Während die Babyboomer Probleme wegatmeten und die Generation X sie ins Wochenende verlegte, googelt die Gen Z Symptome, benennt Grenzen und sucht Hilfe. Das ist keine mangelnde Resilienz, sondern eine neue Form der Widerstandsfähigkeit.

Resilienz heißt für diese Generation nicht mehr „Augen zu und durch“, sondern „Augen auf und rechtzeitig stoppen“. Statt still zu leiden, wird geteilt, diskutiert, organisiert und das notfalls auch per 15-minütiger Sprachnachricht um 23:47 Uhr. Verletzlichkeit wird nicht versteckt, sondern gemanagt.

Das zeigt sich auch im Job. Die Gen Z will Sinn, Sicherheit, Stabilität und ein Arbeitsumfeld, das nicht krank macht. Nicht aus Bequemlichkeit, sondern aus einem Selbsterhaltungstrieb heraus. Unternehmen, die das belächeln, werden Fachkräfte verlieren. Unternehmen, die zuhören, gewinnen belastbare, loyale und überraschend pragmatische Mitarbeitende.

Vielleicht ist die Gen Z also nicht zu empfindlich, sondern die erste Generation, die verstanden hat, dass reines Ausharren kein Lebensziel ist. Und dass echte Stärke manchmal darin liegt, rechtzeitig Pause zu machen.


Julia Becker ist Mitarbeiterin im Bereich „Kommunikation“ beim RKW Kompetenzzentrum. 


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