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INTERVIEW

Karriere-Upgrade statt Stillstand: Mitten im Berufsleben neue Perspektiven entdecken


Jahrelang Architektin, heute KI-Studentin: Petra Reitz zeigt, wie Künstliche Intelligenz neue berufliche Horizonte öffnet.

Petra Reitz ist Architektin aus Überzeugung – seit mehr als drei Jahrzehnten. Nach ihrem Architekturstudium in Hannover, Stationen in verschiedenen Büros, einem Ergänzungsstudium im internationalen Baumanagement und der Ausbildung zur DGNB-Consultant arbeitete sie viele Jahre selbstständig sowie in eigenen Büropartnerschaften. Ihr Berufsalltag umfasst komplexe Projekte und die Verantwortung über alle Leistungsphasen hinweg – getragen von hoher Organisationskompetenz, Qualitätsbewusstsein und strukturiertem Arbeiten.

Stillstand war dabei nie eine Option – Weiterentwicklung schon immer.

Seit September 2025 erweitert Petra Reitz ihr Profil mit einem Studium der Angewandten KI an der Fachhochschule Westküste in Heide.


Frau Reitz, Sie haben sich für eine berufliche Neuausrichtung entschieden. Wohin geht die Reise?

Eigentlich gehe ich keinen neuen Weg, sondern meinen konsequent weiter. Über viele Jahre habe ich erlebt, wie viel Zeit im Architekturbüro für wiederkehrende, komplexe und oft mühsame Prozesse draufgeht. Dokumentation, Koordination, Abstimmungen, Listen – all das ist wichtig, aber selten das, wofür ich Architektin geworden bin.

Die Beschäftigung mit Künstlicher Intelligenz entstand aus dem Wunsch heraus, genau hier anzusetzen: Prozesse zu vereinfachen, zu strukturieren und besser zu machen – damit mehr Raum für Qualität, Gestaltung und Verantwortung bleibt.

 

KI und Architektur – mutiges Experiment oder logische Konsequenz?

Für mich ist das eindeutig eine logische Konsequenz. Digitalisierung begleitet meinen Berufsalltag seit vielen Jahren: Computer-Aided Design, Building-Information-Modeling, Projektmanagement-Tools. KI ist der nächste logische Schritt dieser Entwicklung.

Gerade mit meiner langjährigen Berufserfahrung kann ich gut einschätzen, wo KI sinnvoll unterstützen kann – und wo menschliches Urteilsvermögen unverzichtbar bleibt. KI ersetzt keine Architektin, aber sie kann eine sehr gute Assistentin sein.


Sie möchten weiterhin als Architektin arbeiten. Verändert sich Ihr Berufsbild?

Ja – aber nicht im Kern. Gestaltung, Verantwortung und ganzheitliches Denken bleiben zentral. Neu ist der Umgang mit den Werkzeugen.

Ich sehe meine Rolle künftig stärker in der Bewertung, Steuerung und Koordination. KI kann analysieren, vorbereiten, strukturieren – Entscheidungen treffe weiterhin ich. Das Berufsbild wird nicht kleiner, sondern anspruchsvoller.

 

Entstehen daraus neue Geschäftsfelder?

Absolut. Ich sehe großes Potenzial in der Entwicklung praxistauglicher KI-Anwendungen für Architekturbüros: vom Wissensmanagement über die Qualitätssicherung bis hin zur Prozessoptimierung.

Gerade kleinere und mittlere Büros profitieren, wenn digitale Werkzeuge verständlich, alltagstauglich und sinnvoll eingesetzt werden. Genau hier sehe ich meine Rolle als Schnittstelle zwischen Praxis und Technologie.

Es macht mir große Freude zu merken, dass Entwicklung nicht vom Alter abhängt, sondern von Haltung.


Ein Studium mitten im Berufsleben verändert auch persönlich. Spüren Sie das?

Sehr sogar. Ich erlebe eine neue Offenheit, viel Neugier und auch Demut gegenüber einem neuen Fachgebiet. Noch einmal bewusst Lernende zu sein, schärft den Blick – nicht nur fachlich, sondern auch persönlich.

Es macht mir große Freude zu merken, dass Entwicklung nicht vom Alter abhängt, sondern von Haltung.

 

Wie gehen Sie mit Unsicherheiten um?

Unsicherheiten gehören für mich zum Berufsleben dazu – besonders in der Selbstständigkeit, aber auch durch die Doppelbelastung als Architektin und Studentin. Ich begegne ihnen mit Struktur, Planung und der Bereitschaft, Schritt für Schritt zu lernen.

Meine Erfahrung gibt mir dabei Rückhalt: Ich weiß, dass ich Veränderungen bewältigen kann, und dass gerade in Übergangsphasen oft neue Chancen entstehen.

Wer offen bleibt, sich weiterentwickelt und den Mut hat, neue Fragen zu stellen, kann auch mitten im Berufsleben noch ganz neue Perspektiven entdecken.


Ihr Rat an Leserinnen und Leser, die über eine mutige Wendung nachdenken?

Hören Sie auf Ihre Neugier! Eine berufliche Veränderung bedeutet nicht, alles hinter sich zu lassen – oft verleiht sie dem bisherigen Weg eine neue Tiefe.

Lernen endet nicht mit dem Studium. Wer offen bleibt, sich weiterentwickelt und den Mut hat, neue Fragen zu stellen, kann auch mitten im Berufsleben noch ganz neue Perspektiven entdecken.

Petra Reitz ist Architektin. Seit September 2025 studiert sie zudem Angewandte KI an der Fachhochschule Westküste in Heide. 

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Das Interview führte Christina Hoffmann. Sie ist Leiterin der „RG-Bau“ im RKW Kompetenzzentrum.


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