EXPERTENBEITRAG



Kann KI uns den Wohlstand erhalten?


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Fragen wir doch mal die KI selbst, wie sich die Diskussion über ihre Rolle in der Arbeitswelt in den vergangenen Jahren entwickelt hat. Eine Antwort lautet: „Die Debatte um KI und Arbeit hat sich von euphorischen bzw. dystopischen Zukunftsszenarien hin zu einer pragmatischen Integration im Arbeitsalltag gewandelt.“


Dies klingt plausibel. Die Erdung der Diskussion über KI in der Wirklichkeit der Arbeitswelt macht die Sache freilich kompliziert. Vielfältige Facetten sind zu beachten, um ein realistisches Bild von den positiven und negativen Potenzialen von KI im alltäglichen Gebrauch zu erhalten. Viele Unternehmen sind aus organisatorischen und wirtschaftlichen Gründen noch zögerlich im Umgang mit KI, auch wenn ChatGPT einen kräftigen Schub bei der alltäglichen privaten Nutzung von KI gebracht hat.

KI verändert nicht nur einzelne Arbeitsplätze, sondern verschiebt auch Qualifikationsanforderungen und Berufsstrukturen. Entscheidend für die wirtschaftliche Entwicklung und die Lage auf dem Arbeitsmarkt wird daher sein, wie gut Unternehmen und Beschäftigte neue Technologien in produktive Arbeitsprozesse integrieren können. Investitionen in Kompetenzen, Weiterbildung und lernfähige Organisationen werden damit zu zentralen Faktoren ökonomischer und arbeitsmarktlicher Resilienz.

Vor diesem Hintergrund ist es wichtig, sich ein realistisches, empirisch untermauertes Bild von den Entwicklungen und Handlungsmöglichkeiten im Spannungsfeld von KI-Technologie, Wirtschaft und Arbeitsmarkt zu machen. Dr. Gerd Zika vom Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung (IAB) stellt uns die Ergebnisse des Forschungsprojekts „Künstliche Intelligenz: Potenzielle Effekte für den deutschen Arbeitsmarkt“ vor. 

Die Ausgangslage
Der Arbeitsmarkt in Deutschland steht in den kommenden Jahren vor enormen Herausforderungen. Neben den Zöllen für Exporte in die USA und den notwendigen Investitionen in Infrastruktur und Verteidigung steht der deutsche Arbeitsmarkt am Beginn einer Phase des (demografisch bedingten) deutlichen Arbeitskräfterückgangs. So wird die Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter (15 bis unter 67 Jahre) in den nächsten fünf Jahren um über zwei Millionen Personen sinken. Ohne spürbare Produktivitätssteigerungen wird es uns daher nicht gelingen, den Wohlstand und das Wirtschaftswachstum aufrechtzuerhalten. In dem Zusammenhang stellt sich nun die Frage: Welchen Beitrag kann KI dabei leisten?

Die Potenziale: höhere Materialeffizienz und Arbeitsproduktivität 
Hierzu gibt eine gemeinsame Studie des Bundesinstituts für Berufsbildung, des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung und der Gesellschaft für Wirtschaftliche Strukturforschung Aufschluss, in der die Folgen einer stärkeren Nutzung von KI auf Wachstum und Arbeitsmarkt abgeschätzt werden. Wie die Studie zeigt, könnten Unternehmen tatsächlich durch verstärkte KI-Nutzung ihre Produktionsprozesse optimieren. So ließen sich beispielsweise Produktionsabfälle reduzieren, sodass Güter mit weniger Materialeinsatz produziert werden können. Aber nicht nur bei den Vorleistungen, auch beim Personal könnte gespart werden. KI kann dazu führen, dass die Arbeitsproduktivität steigt, wodurch die Unternehmen die gleiche oder sogar eine größere Menge an Gütern oder Dienstleistungen mit weniger Personal herstellen beziehungsweise bereitstellen können.

Um etwa Millionen Personen wird die Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter (15 bis unter 67 Jahre) in den nächsten fünf Jahren sinken.

KI-Nutzung kann Wirtschaftswachstum fördern
Die Studie zeigt auch, dass eine stärkere KI-Nutzung ein deutlich höheres Wirtschaftswachstum zur Folge haben könnte. Wie die Modellrechnungen darstellen, würde die Wirtschaft durch eine stärkere Nutzung von KI in den nächsten 15 Jahren im Durchschnitt jedes Jahr um 0,8 Prozent stärker wachsen als auf dem aktuellen Entwicklungspfad. Insgesamt ergibt sich daraus ein kumulierter Wertschöpfungszuwachs von rund 4,5 Billionen Euro.

Aufschwung mit KI erfordert Investitionen in die Infrastruktur
Wären die gestiegene Materialeffizienz, die höhere Arbeitsproduktivität sowie das höhere Wirtschaftswachstum die einzigen Folgen, könnte obige Frage eindeutig mit ja beantwortet werden. Allerdings kommt man, um KI überhaupt nutzen zu können, im Vorfeld nicht umhin zu investieren. So müssen beispielsweise neue Rechenzentren gebaut werden und in den einzelnen Betrieben sind Investitionen in neue IT-Systeme erforderlich. Häufig wird es auch nötig sein, neue Produktionsmaschinen zu kaufen. Hinzu kommt, dass durch KI auch neue Geschäftsfelder ermöglicht werden könnten, was wiederum die Absatzmöglichkeiten im In- und Ausland erhöhen würde. All dies zusammen führt im Vergleich zum aktuellen Entwicklungspfad zu einer deutlich höheren Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen, wodurch sogar neue Arbeitsplätze entstehen.

Nicht in allen Branchen verbreitet sich KI gleichermaßen
Aber nicht alle Wirtschaftsbereiche werden gleichermaßen Nutzen aus dem Einsatz von KI ziehen können. So gibt es zwischen den Branchen Unterschiede bezüglich der Zeit, die die KI braucht, um die Branche zu durchdringen, sodass sie vielversprechend eingesetzt werden kann. Bei den Finanzdienstleistungen oder in der pharmazeutischen Industrie dürfte es beispielsweise schnell gehen, KI deutlich stärker einzusetzen. Im Baugewerbe oder im Gastgewerbe ist dagegen zu erwarten, dass es noch einige Jahre dauern wird. Bei anderen Branchen wiederum dürfte der Einsatz von KI nur geringe Arbeitsmarkteffekte haben. Hierzu zählen unter anderen die Vermittlung und Überlassung von Arbeitskräften oder die sonstigen überwiegend persönlichen Dienstleistungen.

Verlust und Zugewinn an Arbeitsplätzen gleichen sich aus
Entsprechend ergeben sich auch unterschiedliche Arbeitsmarkteffekte. Die Unternehmensdienstleister würden etwa durch den Einsatz von KI immer weniger Personal benötigen und somit Beschäftigung abbauen. Die IT- und Informationsdienstleister oder die Branche Erziehung und Unterricht würden dagegen mehr Personal benötigen. Insgesamt würden durch die verstärkte Nutzung von KI nach 15 Jahren im Vergleich zum aktuellen Entwicklungspfad rund 800.000 Arbeitsplätze wegfallen, gleichzeitig entstünden aber auch neue Arbeitsplätze in gleicher Größenordnung.


Nicht alle Wirtschaftsbereiche werden gleichermaßen Nutzen aus dem Einsatz von KI ziehen können.


TOP 10 der Branchen, die Beschäftigung aufbauen 
(Folgen einer verstärkten KI-Nutzung auf die Zahl der Erwerbstätigen in 1.000 Personen.)

Branchen
Nach 5 JahrenNach 10 JahrenNach 15 Jahren
​IT- und Informationsdienstleister
​41​71​115
Erziehung und Unterricht
636469
Gastgewerbe
134857
Einzelhandel (ohne Handel mit Kfz)
20​4649
Baugewerbe
145048
Landverkehr und Transport in Rohrfernleitungen
93242
Sonstige überwiegend persönliche Dienstleister
294241
Vermittlung und Überlassung von Arbeitskräften
133334


TOP 10 der Branchen, die Beschäftigung abbauen
(Folgen einer verstärkten KI-Nutzung auf die Zahl der Erwerbstätigen in 1.000 Personen.)

Branchen
Nach 5 JahrenNach 10 JahrenNach 15 Jahren
Häusliche Dienste
​-11
-24
​-26
Herstellung von elektrischen Ausrüstungen
​-17
​-26
​-26
Architektur- und Ingenieurbüros, techn. Untersuchung
​-40
​-47
-37
Grundstücks- und Wohnungswesen
-33
-52
​-51
Rechts- und Steuerberatung, Unternehmensberatung
​-45
​-57
​-52
Großhandel (ohne Handel mit Kfz)
​-61
​-80
​-75
Öffentliche Verwaltung, Verteidigung, Sozialversicherung
​-12
-72
-94
Lagerei, sonstige Dienstleister für den Verkehr
​-70
-107
-111
Unternehmensdienstleister a. n. g.

-39-104-112
Gesundheitswesen

-73-282-253

Insbesondere Veränderungen bei hochqualifizierten Tätigkeiten zu erwarten
Die Effekte auf die Wirtschaftsbereiche werden auch die Nachfrage in den Berufsgruppen verändern. Dabei ist sowohl mit positiven als auch negativen Effekten zu rechnen. Für eine Analyse auf Ebene der Berufsgruppen sind jedoch noch weitergehende Untersuchungen erforderlich. Es ist zu erwarten, dass ein verstärkter KI-Einsatz die Anforderungen am Arbeitsplatz verändern wird. So dürften insbesondere hochqualifizierte Tätigkeiten stärker von KI-Anwendungen betroffen sein als von Entwicklungen im Bereich klassischer nichtlernender Software.


Angesichts knapper Personalressourcen ist Arbeitsplatzmobilität gefordert
Insgesamt zeigt sich also, dass durch eine verstärkte KI-Nutzung die Zahl der benötigten Arbeitskräfte nicht unbedingt sinken muss, weil gleichzeitig neue Arbeitsplätze an anderer Stelle entstehen können. Aber wenn in den kommenden Jahren immer mehr Personen in den Ruhestand gehen und sich gleichzeitig das Arbeitskräfteangebot weiter verringert, können die neu entstehenden Arbeitsplätze nicht mehr allein über das Neuangebot aus dem Bildungssystem besetzt werden. Eine verstärkte Nutzung der KI kann somit nur über eine zunehmende Arbeitsplatzmobilität realisiert werden.

Zu betonen ist, dass eine KI-induzierte Verringerung der Beschäftigung nicht mit einer schlechteren Arbeitsmarktlage gleichzusetzen ist. Vielmehr können knappe Personalressourcen langfristig effizienter eingesetzt und zu erwartende Arbeitskräfteengpässe in anderen Bereichen reduziert werden. 

Durch eine verstärkte KI-Nutzung muss die Zahl der benötigten Arbeitskräfte nicht unbedingt sinken, weil gleichzeitig neue Arbeitsplätze an anderer Stelle entstehen können.

Literatur & Links


Zika, G., Kalinowski, M., Krinitz, J., Maier, T., Mönnig, A., Schneemann, C., Schroer, J-P., Wolter, M. I. & Zenk, J. (2025a): Fachkräftemonitoring für das BMAS – Mittelfristprognose bis 2029, Berlin: Bundesministerium für Arbeit und Soziales. 

Zika, G., Hassemer, T-M., Hummel, M., Krebs, B., Maier, T., Mönnig, A., Schneemann, C., Weber, E. & Zenk, J. (2025b): Künstliche Intelligenz: Potenzielle Effekte für den deutschen Arbeitsmarkt. (IAB-Forschungsbericht 23/2025), Nürnberg.


Dr. Gerd Zika ist wissenschaftlicher Mitarbeiter im Forschungsbereich „Prognosen und gesamtwirtschaftliche Analysen“ am IAB. 

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Die Einleitung zum Thema verfasste Dr. Andreas Hinz. Er ist Mitarbeiter im Fachbereich „Fachkräftesicherung“ beim RKW Kompetenzzentrum. 

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