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RKW EXPERTISE
Gründen genießt bei jüngeren Menschen ein besonders positives Image
Die Aussage „In Deutschland genießen erfolgreiche Gründende Respekt und hohes Ansehen“ wird von jüngeren Gründungspersonen (18 bis 34 Jahre) mit 88 Prozent häufiger bejaht als von den älteren Gründungspersonen (35 bis 64 Jahre) mit 79,2 Prozent. Ebenfalls wird die Aussage, dass in Deutschland die Gründung eines Unternehmens von den meisten Menschen als attraktive berufliche Perspektive angesehen wird, von den jüngeren Gründungspersonen häufiger positiv bewertet (73,4 Prozent vs. 60,5 Prozent). Dagegen unterscheidet sich die Einschätzung bei der Rolle der Medien, die oft über erfolgreiche neue Unternehmen berichten, kaum zwischen den beiden Altersgruppen (ungefähr die Hälfte stimmt jeweils zu). Eine positive mediale Berichterstattung kann dazu führen, dass Unternehmertum stärker als Karriereoption präsent ist.
Darüber hinaus sind 68,6 Prozent der jüngeren im Vergleich zu lediglich 54,9 Prozent der älteren Gründungspersonen der Ansicht, dass es in Deutschland einfach ist, ein Unternehmen zu gründen.
„Großer Wohlstand“ ist das Hauptmotiv junger Gründungsaktivität
Bei den jüngeren Gründungspersonen nannten 2024 insgesamt 76,8 Prozent diesen Gründungsgrund (Mehrfachantworten möglich). Somit liegt ein ökonomisches Motiv an der Spitze. Diesem folgt ein weiteres wirtschaftliches Motiv (50,7 Prozent), nämlich gründen, „um den Lebensunterhalt zu verdienen, weil Arbeitsplätze selten sind“. Monetäre Anreize sind auch die zentralen Beweggründe für Unternehmensgründungen bei den älteren Gründungspersonen. Andere Motive – etwa „die Welt verändern zu wollen“ bzw. „eine Familientradition fortzuführen“ – spielen dagegen in beiden Altersgruppen eine geringere Rolle.
Erfahrene Gründende treiben eher Innovationen voran, die für den Weltmarkt neu sind
Ein entscheidender Aspekt für Wachstum und Wohlstand in Deutschland ist die Erneuerung der mittelständischen Wirtschaft durch Gründungspersonen – aus der Gründung von heute wird oft der Mittelstand von morgen. Die GEM-Ergebnisse aus dem Jahr 2024 zeigen, dass hierzulande mit 4,3 Prozent der jüngeren sowie 6,2 Prozent der älteren Gründungspersonen beide Altersgruppen weltweite Neuheiten in Bezug auf Produkte und Dienstleistungen anbieten oder planen anzubieten. Bei beiden Innovationsaspekten ist der Anteil bei den älteren Gründungspersonen höher, für die neben anderen Aspekten entsprechende Branchen- und Berufserfahrung, gut ausgeprägte berufliche Kontaktnetzwerke sowie ein langjährig entwickeltes Gespür für Wünsche von (potenziellen) Kundinnen und Kunden eine Rolle spielen.
Junge Gründende setzen auf Nachhaltigkeit
Ein Beispiel für die Unterschiede zwischen den Altersgruppen ist die Frage, ob Maßnahmen ergriffen wurden, um die Umweltauswirkungen des Unternehmens zu minimieren, beispielsweise Energiesparmaßnahmen, die Verwendung umweltfreundlicherer Materialien oder die Reduzierung von Emissionen. Rund 64 Prozent der jüngeren Gründungspersonen beantworteten diese Frage mit „ja“, bei den älteren Gründungspersonen hingegen sind es rund 15 Prozentpunkte weniger (49 Prozent). Auch Maßnahmen in Bezug auf positive soziale Effekte, wie zum Beispiel die Gewährleistung von fairen Arbeitsbedingungen und Löhnen bei den Zulieferern oder die Schaffung von Arbeitsplätzen für junge Menschen, werden von jüngeren Gründungspersonen (59 Prozent) häufiger als von älteren Gründungspersonen (45 Prozent) umgesetzt.
Bei jüngeren Gründungspersonen spielt die Nachhaltigkeitsorientierung in sozialer und ökologischer Hinsicht eine deutlich stärkere Rolle als bei älteren Gründungspersonen. Der Green Startup Report 2025 belegt beispielsweise, dass der Anteil an grünen Start-ups in den letzten Jahren gestiegen ist. Studien wie die der Bertelsmann Stiftung zeigen, dass das Thema Nachhaltigkeit für Gründungspersonen von hoher Relevanz ist.
Jüngere versus ältere Gründende – jeder setzt andere Impulse
Die GEM-Analyse zwischen jüngeren und älteren Gründungspersonen in Deutschland zeigt deutliche Unterschiede. Die Jüngeren zeichnen sich dadurch aus, dass sie unter anderem häufiger wichtige Impulse im Bereich Nachhaltigkeit setzen. Bei den Produkt- und Dienstleistungsinnovationen, die neu für den Weltmarkt sind, sind es hingegen die Älteren, die anteilig in ihrer Gruppe häufiger in Erscheinung treten. Die Erkenntnisse über die Unterschiede zwischen den Altersgruppen bieten interessante Ansatzpunkte für die Gründungsförderung und Gründungsunterstützung.
Der Global Entrepreneurship Monitor (GEM) ist eine weltweite Gründungsstudie, die einen räumlichen und zeitlichen Vergleich des Gründungsgeschehens vieler Länder auf allen Kontinenten ermöglicht. Seit 1999 werden in über 50 Ländern jährlich Daten zur Gründungsaktivität und Gründungseinstellung erhoben. Im Rahmen des Global Entrepreneurship Monitors werden Gründungen in Deutschland durch das RKW Kompetenzzentrum in Kooperation mit dem Johann Heinrich von Thünen-Institut für Innovation und Wertschöpfung in ländlichen Räumen untersucht.
Die Gründungsquote stellt die Gesamtheit der (angehenden) Gründerinnen und Gründer dar. Personen, die sowohl angehende Gründerinnen und Gründer als auch Gründerinnen und Gründer sind, werden nur einmal gezählt. Die TEA wird in Prozent der erwerbsfähigen Bevölkerung im Alter von 18 bis 64 Jahren ausgedrückt.
Gründungspersonen sind Personen zwischen 18 und 64 Jahren, die in den letzten dreieinhalb Jahren vor Befragungszeitpunkt ein Unternehmen gegründet haben oder in den vergangenen zwölf Monaten dabei waren, die Gründung eines Unternehmens vorzubereiten.
Bertelsmann Stiftung (2023): Sustainability Transformation Monitor 2023, Gütersloh. https://www.bertelsmann-stiftung.de/de/publikationen/publikation/did/sustainability-transformation-monitor-2023
Fichter, K., Olteanu, Y., Hirschfeld, A., Walk, V., Gilde, J., Grothey, T. & Neumann, T. (2025): Green Startup Monitor 2024, Berlin: Borderstep Institut, Bundesverband Deutsche Startups e. V.
Green Startup Report 2025: https://www.borderstep.de/projekte/green-startup-monitor/



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