EXPERTENBEITRAG


Unternehmensnachfolge neu denken: 
Wie Entrepreneurship through Acquisition den Mittelstand stärken kann


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In den kommenden Jahren stehen zahlreiche mittelständische Unternehmen in Deutschland vor einer entscheidenden Herausforderung: der Suche nach einer Nachfolge. Laut Schätzungen des Instituts für Mittelstandsforschung (IfM) Bonn werden zwischen 2026 und 2030 rund 186.000 Familienunternehmen in Deutschland eine Nachfolgelösung benötigen. Gleichzeitig werden immer weniger Betriebe innerhalb der Familie weitergegeben. Die Studie zeigt, dass heute schon rund 29 Prozent der zur Nachfolge anstehenden Unternehmen an externe Käuferinnen oder Käufer gehen. Zudem fehlen geeignete Unternehmerinnen und Unternehmer, die bereit sind, operative Verantwortung zu übernehmen. Ein Ansatz, der international bereits weit verbreitet ist und auch in Deutschland zunehmend an Bedeutung gewinnt, ist Entrepreneurship through Acquisition (ETA). Statt ein Unternehmen neu zu gründen, übernehmen Unternehmerinnen und Unternehmer ein bestehendes Unternehmen und führen es weiter. Gerade für den Mittelstand kann dieses Modell helfen, funktionierende Betriebe zu erhalten und gleichzeitig neue unternehmerische Dynamik zu schaffen.



Unternehmertum durch Übernahme

​Beim klassischen Unternehmertum steht meist die Neugründung im Mittelpunkt. ETA verfolgt einen anderen Weg: Menschen mit unternehmerischem Anspruch suchen gezielt nach bestehenden Unternehmen, erwerben sie und entwickeln sie weiter.

Für viele mittelständische Betriebe kann dies eine attraktive Nachfolgelösung sein. Der Betrieb bleibt erhalten, Arbeitsplätze werden gesichert und gleichzeitig kommen neue Ideen und Perspektiven ins Unternehmen. Dieser Ansatz eröffnet neuen Generationen von Unternehmerinnen und Unternehmern einen alternativen Weg ins Unternehmertum. Statt bei null zu starten, übernehmen sie etablierte Strukturen und können – und müssen – auf bestehenden Kundenbeziehungen, erfahrenen Mitarbeitenden und funktionierenden Geschäftsmodellen aufbauen.​


Verschiedene Wege zum eigenen Unternehmen

​Innerhalb von ETA haben sich unterschiedliche Modelle etabliert: Ein bekanntes Modell ist der Search Fund. Dabei sammelt eine Unternehmerin oder ein Unternehmer zunächst Kapital von Investoren ein, um gezielt nach einem passenden Unternehmen zu suchen. Die Investoren begleiten den Prozess häufig auch nach der Übernahme und unterstützen beim Aufbau der neuen Unternehmensführung.

Daneben gibt es den Self-Funded Search, also die selbstfinanzierte Suche. Hier finanzieren angehende Unternehmerinnen und Unternehmer die Suche zunächst selbst. Erst wenn ein konkretes Unternehmen gefunden wurde, wird Kapital von Banken oder Investoren eingeworben. Dieses Modell ist besonders im deutschsprachigen Raum verbreitet.​


Warum das Modell in Deutschland noch wenig bekannt ist

​Trotz seines Potenzials ist ETA in Deutschland bislang noch relativ wenig verbreitet. Ein zentraler Grund dafür ist, dass die Möglichkeit einer externen unternehmerischen Nachfolge lange Zeit wenig sichtbar war.

​​Während Unternehmens(neu)gründungen in Hochschulen, Förderprogrammen und Medien stark im Fokus stehen, wird die Übernahme eines bestehenden Unternehmens als unternehmerischer Karriereweg seltener thematisiert. Viele potenzielle Nachfolgende wissen daher schlicht nicht, dass dieser Weg überhaupt existiert oder wie er praktisch umzusetzen ist. Darüber hinaus konzentrieren sich Investoren traditionell stärker auf Start-ups als auf Unternehmensnachfolgen.​ 

​​Damit wird deutlich: Neben Finanzierung und Marktstrukturen spielt vor allem Bildung und Bewusstseinsbildung eine entscheidende Rolle, um mehr Menschen für den Weg in die unternehmerische Nachfolge zu gewinnen.​​

Ein besonderes Ziel der Initiative ist es, die Bekanntheit von Entrepreneurship through Acquisition in Deutschland zu erhöhen und mehr unternehmerische Talente für diesen Weg ins Unternehmertum zu begeistern und damit einen wichtigen Baustein zum Erhalt der wirtschaftlichen Substanz in Deutschland zu setzen.



Bildung und Netzwerke als Schlüssel zur Nachfolge

Genau hier setzen neue Initiativen an, die gezielt Wissen und Netzwerke rund um Unternehmensnachfolge aufbauen.
Mit dem Nachfolge-Hub von UnternehmerTUM entsteht derzeit eine Unterstützungslandschaft, die Talente gezielt auf den Weg der Unternehmensübernahme vorbereitet. Der Fokus liegt dabei nicht nur auf Finanzierung oder Transaktionswissen, sondern insbesondere auf Bildung, Orientierung und Vernetzung.

Der Nachfolge-Hub bietet Workshops und Austauschformate, perspektivisch auch Programme, in denen angehende externe Nachfolgende lernen, wie sie geeignete Unternehmen identifizieren, Übernahmen strukturieren und eine erfolgreiche Nachfolge gestalten können.


Qualifizierung und Netzwerke in der Initiative Unternehmensnachfolge des Bundeswirtschaftsministeriums

Die Nachfolgelücke wächst von Jahr zu Jahr. Um die Qualifizierungsangebote an Hochschulen für potenzielle Nachfolgerinnen und Nachfolger zu erproben, hat das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWE) in den Jahren 2020 bis 2024 bereits Modellprojekte – auch an Hochschulen – gefördert und das RKW Kompetenzzentrum mit der fachlichen Begleitung betraut. Die erprobten Bildungsansätze für mehr gelungene Nachfolgen  in Deutschland sowie die Netzwerkinitiativen sind auf der RKW-Website Chance Unternehmensnachfolge dokumentiert. Inzwischen wird die Website laufend erweitert und umfasst derzeit rund 80 nachahmenswerte Unterstützungsansätze für die Unternehmensnachfolge und motivierende Nachfolgeportraits aus dem Mittelstand.


Christian Mohr ist CCO und Managing Director bei UnternehmerTUM. 

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Rika Neumann ist Program-Manager Nachfolge-Hub bei UnternehmerTUM.

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Stefanie Bechert ist Mitarbeiterin im Fachbereich „Gründung“ beim RKW Kompetenzzentrum.

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