INTERVIEW



Zwischen Reform und Realität:
die neue Bauausbildung in der Praxis 


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Die Neuordnung der Berufsausbildung in der Bauwirtschaft tritt am 1. August 2026 in Kraft. Sie betrifft die 16 Berufe mit dreijähriger und 3 Berufe mit zweijähriger Ausbildung in den Bereichen Hochbau, Tiefbau und Ausbau. Neben neuen Berufsbezeichnungen halten auch aktuelle Themen Einzug in die neuen Lehrpläne, die Anpassungen auf die steigenden Anforderungen der Branche wie Klimaschutz, Digitalisierung und nachhaltiges Bauen enthalten. Damit ist dies auch eine Chance für eine modernere, digitalere und nachhaltigere Ausbildung im Baugewerbe. Doch wie gelingt die Umsetzung im Alltag? Welche Herausforderungen ergeben sich für überbetriebliche Bildungszentren? Darüber haben wir mit Thomas Murauer, Geschäftsführer der Bildungszentren des Baugewerbes e. V. in Krefeld, gesprochen.

Herr Murauer, Sie haben mit der Neuordnung der Berufsausbildung in der Bauwirtschaft ein Mammutprojekt vor der Brust. Wie gelingt aus Ihrer Sicht der Übergang von der alten zur neuen Ausbildungsordnung im laufenden Betrieb?

Die Umstellung ist aus organisatorischer Sicht eigentlich gar nicht so dramatisch, da sich die Unterweisungsblöcke auf einzelne Ausbildungsjahre beziehen. Das bedeutet, wir starten ab Sommer 2026 nur mit dem ersten Ausbildungsjahr nach neuer Ausbildungsordnung, während die Gruppen der zweiten und dritten Ausbildungsjahre noch nach alter Ordnung ausgebildet werden. Da wir keine gemischten Gruppen in unterschiedlichen Ausbildungsjahren haben, sehe ich hier wenige Probleme. 


Wo sehen Sie dann Herausforderungen bei der inhaltlichen Umsetzung – insbesondere für die überbetrieblichen Ausbildungszentren?

Die größte Herausforderung ist das Vermitteln von mehr Inhalten in kürzerer Zeit. Intern geht es darum, schnellstmöglich einen Umsetzungsfahrplan für die neuen Pläne zu entwickeln. Das geht nur parallel zum Tagesgeschäft. Insbesondere die Reduzierung der Wochenanzahl für die überbetriebliche Unterweisung wird eine Herausforderung sein, vor allem im ersten Jahr. Aber auch auf wirtschaftlicher Ebene wird es ein schwieriges Unterfangen. Mit der Neuordnung sinkt die Pflichtwochenanzahl von 32 auf 30. Wir rechnen darum mit circa zehn Prozent weniger Einnahmen bei gleichen Kosten.

Hinzu kommt, dass die übergeordneten – neuen – Themen wie Digitalisierung oder auch Nachhaltigkeit integrativ zu vermitteln sind, und diese Inhalte in vielen Zentren oftmals noch in den Kinderschuhen stecken. Auf Ausbilderebene mangelt es demzufolge an Erfahrung und Wissen. Daher ist es wichtig, diesbezüglich Schulungskonzepte bei den Ausbilderinnen und Ausbildern umzusetzen. 


Die größte Herausforderung 
ist das Vermitteln von mehr Inhalten in 
kürzerer Zeit.

Gibt es schon Rückmeldungen aus den Betrieben zur Neuordnung – eher Zustimmung oder Skepsis?

Obwohl nunmehr seit Jahren über das Neuordnungsverfahren gesprochen wird, stellt man in vielen Sitzungen fest, wie ungleichmäßig das Wissen über die Abläufe, die Zuständigkeiten, die Entscheidungswege und die Umsetzung verbreitet sind. Dadurch entstehen aus den unterschiedlichsten Gründen eben Skepsis oder auch Zuversicht. Man darf aber nie außer Acht lassen, dass es bundesweit noch nie ein Verfahren vergleichbarer Größe gegeben hat. Erschwerend kommt hinzu, dass wir in der Bauwirtschaft eine sehr heterogene Unternehmensstruktur haben, das Neuordnungsverfahren aber für alle Unternehmensgrößen passen muss. Zudem muss man berücksichtigen, dass die „Bauberufe“ im Vergleich zu anderen Branchen und Berufen einen sehr hohen Anteil an überbetrieblicher Ausbildung festgeschrieben haben, die in über 180 Zentren umgesetzt werden. Diese Zentren weisen, genau wie die Betriebe, ebenfalls sehr heterogene Strukturen auf. Je nach Erfahrung mit den Zentren pendelt die Meinung der Unternehmen zwischen Zustimmung und Skepsis, da sich das Neuordnungsverfahren vor allem sehr stark auf die Arbeit in den Zentren auswirken wird. 


Welche zusätzlichen administrativen Aufwände entstehen durch die Reform?

Hier wird es wichtig sein, wie die Wochenlehrgänge und die zugehörigen Unterweisungspläne – inklusive des Kostengerüsts – umgesetzt werden. Es werden insgesamt etwa 450 einzelne Wochen für die überbetriebliche Ausbildung definiert und es bedarf schon einer fortschrittlichen Verwaltung, die Kurse zu planen, eine gute Betreuung sicherzustellen, An- und Abwesenheiten zu dokumentieren und letztlich die Kurse auch abzurechnen. Ich kann nur davor warnen, jeden einzelnen Kurs individuell zu betrachten, da es sonst zu einem ausufernden Verwaltungsaufwand kommt. Dies ist nicht nur für Mischzentren, die mehrere Gewerke unterweisen, eine große Herausforderung.

Die meisten Zentren verwenden externe Softwarelösungen, um die Kurse administrativ zu verwalten. Daher müssen auch die Hersteller dieser Softwareprogramme zeitnah die neuen Pläne integrieren.


Mit welchen Kosten ist die Umstellung verbunden – und wo sehen Sie Unterstützungsbedarf?

Jede Umstellung kostet Geld. Es muss in Maschinen, Personal, Software und Material investiert werden. Der größte Kostenblock ist jedoch in der Interpretation und der Erstellung der neuen Arbeitsaufgaben innerhalb der Wochen zu sehen. Hier sind die Ausbilderinnen und Ausbilder parallel zu ihrer täglichen Arbeit gefordert, die Vorgaben aus den Unterweisungsplänen umzusetzen. Dazu ist ein gigantischer Koordinationsaufwand notwendig. Eine Unterstützung von Externen ist nur begrenzt möglich, daher ist meine Empfehlung, Netzwerke auf Ausbilderebene zu entwickeln und sich fachlich mit Ausbilderinnen und Ausbildern anderer Zentren auszutauschen. 


Herr Murauer, wir danken Ihnen sehr herzlich für das Gespräch und wünschen Ihnen viel Erfolg bei der Umstellung.

Dipl.-Ing. Thomas Murauer ist Geschäftsführer der Bildungszentren des Baugewerbes e. V. (BZB) in Krefeld. 


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Das Interview führte Christina Hoffmann. Sie ist Leiterin der „RG-Bau“ im RKW Kompetenzzentrum. 
 

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