
RKW NETZWERK
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Beispiel: gezielte Qualifikation von Mitarbeitenden
Wie bei „Kreislaufcaptains“ berufliche Bildung zur unternehmerischen Transformation beiträgt
Im Zuge tiefgreifender Veränderungen der Arbeitswelt gewinnt das Thema berufliche Bildung zunehmend an Bedeutung. Insbesondere KMU stehen vor der Herausforderung, ihre Mitarbeitenden kontinuierlich für die sich immer schneller und weitreichender ändernden Anforderungen zu qualifizieren und zukunftsfähige Kompetenzen aufzubauen.
Kreislaufwirtschaft ist dabei längst mehr als nur ein Umweltbegriff – sie steht exemplarisch für diesen Wandel: Ressourcen werden geschont, Materialien im Umlauf gehalten und Produkte so gestaltet, dass sie langlebig und wiederverwertbar sind. Für Unternehmen bedeutet das jedoch vor allem eines – Veränderung. Und die beginnt nicht bei Maschinen, sondern bei den Menschen.
Genau hier setzt das Transformationsprojekt „Kreislaufcaptains“ an. Es wird im Rahmen des Programms „Nachhaltig im Beruf – zukunftsorientiert ausbilden“ umgesetzt und von mehreren RKW-Landesorganisationen gemeinsam getragen. Ziel ist es, insbesondere KMU – vornehmlich aus der Metall- und Elektrobranche – dabei zu unterstützen, zirkuläres Wirtschaften praktisch im Betrieb zu verankern – durch gezielte Qualifizierung von Mitarbeitenden.
Lernen, was wirklich wirkt
Im Mittelpunkt stehen die sogenannten Kreislaufcaptains: Mitarbeitende, die über den gesamten Projektzeitraum hinweg zu Fachkräften für zirkuläres Wirtschaften qualifiziert werden. Es handelt sich um bewusst vielfältig zusammengesetzte Kleinteams aus den Unternehmen, bestehend aus Fachkräften, Führungskräften, Auszubildenden sowie erfahrenen Mitarbeitenden. Sie übernehmen eine Schlüsselrolle im Unternehmen – als Impulsgeberinnen und Impulsgeber für nachhaltige Entwicklung.
Der Ansatz: Lernen findet nicht losgelöst vom Arbeitsalltag statt, sondern direkt im Betrieb. Ausgangspunkt ist eine strukturierte Bestandsaufnahme. Wo steht das Unternehmen beim Thema zirkuläres Wirtschaften? Welche Potenziale gibt es? Daraus entwickeln die Teams konkrete betriebliche Projekte.
Die Teilnehmenden erlernen dabei nicht nur neue Inhalte und Grundlagen, sondern vor allem Umsetzungskompetenz:
- Zirkuläres Wirtschaften im eigenen Betrieb verstehen und anwenden
- Ressourcen- und Materialeffizienz gezielt verbessern
- Produkte und Prozesse neu denken
- Projekte planen, intern vertreten und umsetzen
- Veränderungsprozesse im Unternehmen aktiv gestalten
Das Besondere: Das betriebliche Projekt selbst wird zum Lernraum. Wissen wird direkt angewendet, reflektiert und weiterentwickelt. So entstehen Kompetenzen, die im Unternehmen bleiben und langfristig wirken.
Was sind „Kreislaufcaptains“?
Mitarbeitende, die zu Fachkräften für zirkuläres Wirtschaften qualifiziert werden. Dazu werden bewusst vielfältig zusammengesetzte Kleinteams aus den Unternehmen, bestehend aus Fachkräften, Führungskräften, Auszubildenden sowie erfahrenen Mitarbeitenden gebildet.
Das Projekt „Kreislaufcaptains“ wird im Rahmen des Programms „Nachhaltig im Beruf – zukunftsorientiert ausbilden“ (NIB) durch das Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend und die Europäische Union über den Europäischen Sozialfonds Plus (ESF Plus) gefördert. Laufzeit bis 31.01.2029
RKW-Verbundpartner und Ansprechpersonen:
- RKW Baden-Württemberg, Nadine Borer, borer@rkw-bw.de, 0711 22998-19 und
Katharina Díaz Méndez, diazmendez@rkw-bw.de, 0711 22998-28 - RKW Bayern e. V., Sabine Pfister, pfister@rkwbayern.de, 089 670040-0
- RKW Bremen GmbH, Jennifer Ferber, j.ferber@rkw-bremen.de, 0421 323464-27
- RKW Sachsen, Tony Schütze, schuetze@rkw-sachsen.de, 0351 8322-360
- RKW Sachsen-Anhalt GmbH, Julius Hentschel, julius.hentschel@rkw-sachsenanhalt.de, 0172 80286-28
- RKW Nord GmbH, Ernst Grund, grund@rkw-nord.de, 0511 33803-27


Beispiel: KI-gestütztes Wissensmanagement
Wie Künstliche Intelligenz hilft, fachliche Intelligenz zu bewahren – Lernen direkt im Arbeitsprozess
Wie erklärt man einen Handgriff, der in keinem Handbuch steht? In vielen Betrieben steckt entscheidendes Wissen in den Köpfen und Händen erfahrener Mitarbeitender: beim Einrichten einer Maschine, in der Montage, Qualitätskontrolle oder im Service. Wird dieses Wissen nicht gesichert, verschwindet es, etwa wenn Mitarbeitende in den Ruhestand gehen, zu anderen Arbeitgebenden oder den Aufgabenbereich innerhalb des Betriebs wechseln.
Bis 2036
gehen 12.9 Millionen Erwerbstätige in den Ruhestand.
Bis 2036 gehen laut Statistischem Bundesamt 12,9 Millionen Erwerbstätige – das sind 30 Prozent der heutigen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer – in den Ruhestand. Das heißt: unsichtbares Erfahrungswissen verlässt ungesichert das Unternehmen, schneller als es nachwachsen kann.
Wie können Betriebe diesem „Abhandenkommen“ persönlichen Fachwissens entgegenwirken? Wenn es um zukunftsweisende Lösungen geht, ist KI nicht weit. Ein Beispiel für einen solchen Ansatz ist das Innovationsprojekt „SkillSuit – Kameraanzug für arbeitsplatznahes Lernen“ des RKW Sachsen. Im Projekt wird erprobt, wie betriebliche Weiterbildung direkt im Arbeitsprozess entstehen kann. Neben dem Einsatz mobiler Videotechnik und KI-gestützter Aufbereitung spielt dabei der sozialpartnerschaftliche Ansatz eine zentrale Rolle: Unternehmen, Mitarbeitende, Partnerinnen und Partner entwickeln gemeinsam Lösungen, die praxisnah und niedrigschwellig zugänglich sein sollen – insbesondere für Beschäftigte, die klassische Weiterbildungsformate seltener erreichen, etwa Geringqualifizierte, Teilzeitbeschäftigte, Menschen mit Migrationsgeschichte oder Beschäftigte mit Behinderung. Die Grundidee ist einfach: Lernen mithilfe einer Videoaufnahme. Doch die Umsetzung geht weit über einen einfachen Mitschnitt hinaus: Mitarbeitende dokumentieren Arbeitsschritte per Smartphone oder Kameraanzug aus der eigenen Perspektive (POV). Künstliche Intelligenz transkribiert, bereitet sprachlich auf, strukturiert und erstellt aus den Aufnahmen Lernbausteine. So wird implizites Wissen explizit und alltägliche Arbeit zur Grundlage für Einarbeitung, Qualifizierung und Wissenssicherung.
Für Unternehmen liegt darin ein großer Hebel: Der Aufwand, Lerninhalte zu erstellen und Erfahrungswissen zu sichern, kann deutlich sinken. Bisher müssen Arbeitsabläufe meist erst beschrieben, gefilmt, nachbearbeitet und in eine Lernplattform übertragen werden, bevor daraus ein nutzbarer Schulungsinhalt entsteht. Aktuell kann es somit noch mehrere Tage oder länger dauern, bis aus einer Arbeitsdokumentation ein einsatzbereiter Lerninhalt entsteht, also bis die sogenannte „Learning-Readiness-Time“ erreicht ist. SkillSuit erprobt, wie aus einer Videoaufnahme im Arbeitsprozess mithilfe von KI deutlich schneller strukturierte Lernbausteine werden können – perspektivisch innerhalb weniger Minuten.
Der SkillSuit macht Weiterbildung somit schneller und zugänglicher: durch die Möglichkeit, visuelle Anleitungen, Untertitel oder einfache Sprache zu nutzen oder die Inhalte mehrsprachig aufzubereiten. Mitarbeitende werden so zu aktiven Wissensvermittlern – von Beschäftigten für Beschäftigte.
Die Resonanz zeigt, dass der Ansatz einen Nerv trifft. Zum Beispiel berichtete das MDR Sachsen über SkillSuit und brachte den Kern auf den Punkt: „Künstliche Intelligenz, um fachliche Intelligenz zu bewahren.“
Das RKW Sachsen entwickelt im Rahmen des Projekts „SkillSuit – Kameraanzug für arbeitsplatznahes Lernen“ gemeinsam mit über 20 Unternehmen, Bildungs- und Sozialpartnerschaften eine End-to-End-Lösung für videobasiertes und KI-gestütztes Wissensmanagement. Das Projekt wird im Rahmen des Programms „Wandel der Arbeit – sozialpartnerschaftlich gestalten: weiter bilden und Gleichstellung fördern“ durch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales und die Europäische Union über den Europäischen Sozialfonds Plus (ESF Plus) gefördert.
Der MDR Sachsen berichtete bereits über den SkillSuit im Beitrag: „Künstliche Intelligenz, um fachliche Intelligenz zu bewahren“: https://www.rkw-lms.de/skillsuit/

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