KOLUMNE


Wie Generationen im Unternehmen lernen – 
zwischen Handbuch, Google und Gen Z

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Lernverhalten im Unternehmen: vier Generationen, vier Ansätze


Im Team-Meeting wird ein neues Tool vorgestellt. Die Babyboomer greifen zum Handbuch, Generation X liest sich strukturiert ein. Millennials googeln parallel nach „Best Practices“ und die Generation Z hat das Tool längst ausprobiert, bevor die offizielle Einführung richtig begonnen hat.


Was dann folgt, ist fast genauso spannend wie das Tool selbst: leichte Irritation hier, ein Stirnrunzeln dort, ein leises „So würde ich das nicht machen“ drei Stühle weiter. Lernen wird plötzlich zur Haltung.


Unterschiede im Lernverhalten: Wer lernt hier eigentlich „richtig“?

Im Arbeitsalltag entstehen schnell „individuelle“ Beurteilungen der jeweils anderen Lernweisen: zu langsam, zu oberflächlich, zu unstrukturiert, zu kompliziert – je nachdem, aus welcher Perspektive man schaut.
 
Interessant ist dabei weniger, wie gelernt wird, sondern wie schnell das Verhalten anderer bewertet wird. Was für die eine Person effizientes Ausprobieren ist, wirkt für die nächste wie planloses Klicken. Was als gründliche Vorbereitung gedacht ist, wird andernorts als unnötige Verzögerung gelesen.
 
Und plötzlich geht es nicht mehr ums Lernen, sondern ums Rechthaben.


Und was sagt eigentlich die Forschung?

Die fällt an dieser Stelle erstaunlich unspektakulär aus: Die meisten der viel zitierten Unterschiede zwischen den Generationen lassen sich statistisch kaum belegen und haben oft weniger mit dem Geburtsjahr zu tun als mit Lebensphase, Job oder Ausbildung.

Und trotzdem fühlt es sich im Alltag oft so an, als würden hier völlig unterschiedliche Lernwelten aufeinanderprallen. Vielleicht liegt das Problem also weniger im Lernen selbst als in unseren Erwartungen darüber.


Das eigentliche Missverständnis

Heute wird seltener nach Plan gelernt. Mal schnell zwischendurch, mal tief im Thema, mal allein, mal im Austausch. Lernen ist fragmentierter, situativer und dadurch oft unsichtbar geworden.
 
Was fehlt, ist weniger ein gemeinsames Lernmodell, sondern ein gemeinsames Verständnis dafür, dass es kein einheitliches Modell mehr gibt.


Fazit: weniger urteilen, dafür neugierig bleiben

Für Unternehmen heißt das nicht, das perfekte Lernsystem zu bauen, sondern eher, die Reibung auszuhalten und produktiv zu nutzen.

Vielleicht hilft schon ein kleiner Perspektivwechsel:

Nicht sofort einordnen, sondern kurz nachfragen.
Nicht bewerten, sondern verstehen wollen.

Denn am Ende geht es nicht darum, wann und wie jemand klickt oder liest, sondern darum, dass alle wissen, was sie tun und wie sie dahin gekommen sind.


Was fehlt, ist weniger ein gemeinsames Lernmodell, sondern ein gemeinsames Verständnis dafür, dass es kein einheitliches Modell mehr gibt.

Mehr zum Thema
„Generationen-Zusammenarbeit“:


Lesen Sie auch den Artikel 
„Generationenübergreifendes Lernen“ von Max Auth in diesem Magazin.

Julia Becker ist Mitarbeiterin im Bereich „Kommunikation“ beim RKW Kompetenzzentrum. 


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