LEITARTIKEL
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Die Suche nach qualifiziertem Personal gestaltet sich für viele Betriebe weiterhin schwierig. Zugleich führen die digitale und ökologische Transformation zu neuen Kompetenzanforderungen. Daher spielt (Aus-)Bildung eine herausragende Rolle, um den Fachkräftemangel und den strukturellen Wandel zu meistern. Wie aber ist es um die Bildung in Deutschland bestellt? Können Betriebe ihre (zukünftigen) Bedarfe decken? Und wo bestehen noch Potenziale bei der Gewinnung von Fachkräften?


Anhaltender Trend zur Akademisierung und Passungsprobleme am Ausbildungsmarkt
Vor dem Hintergrund der gestiegenen Zahl an Abiturientinnen und Abiturienten beginnen seit nunmehr über zehn Jahren jeweils etwas mehr junge Menschen ein Studium als eine duale Ausbildung. Angesichts des digitalen und ökologischen Wandels, aber auch des altersbedingten Ausscheidens vieler Akademikerinnen und Akademikern aus dem Arbeitsmarkt gehen Prognosen von einem weiterhin hohen Bedarf der Wirtschaft an akademisch ausgebildeten Fachkräften aus.
Der anhaltende Trend zum Studium geht mit einem Rückgang der dualen Ausbildung einher. Daten des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) zufolge ist die Zahl neu abgeschlossener Ausbildungsverträge im aktuellen Ausbildungsjahr erneut gesunken. Wie bereits in den Vorjahren blieb ein hoher Anteil an Ausbildungsplätzen unbesetzt; zugleich hat die Zahl der jungen Menschen, die erfolglos nach einem geeigneten Ausbildungsplatz suchen, weiter zugenommen. Dies deutet auf massive Passungsprobleme am Ausbildungsmarkt hin.
Unbesetzte Ausbildungsplätze erschweren ebenso wie vorzeitige Vertragslösungen die Möglichkeiten der Fachkräftesicherung: Die Vertragslösungsquote ist in den vergangenen Jahren angestiegen, und auch wenn es sich nicht bei jeder vorzeitigen Vertragslösung um einen Ausbildungsabbruch handelt, verbleibt eine hohe Zahl an jungen Menschen längerfristig ohne Berufsabschluss. Dies traf zuletzt auf knapp 3 Millionen Personen im Alter zwischen 19 und 34 Jahren zu. Dem Arbeitsmarkt gehen hierdurch wertvolle Potenziale verloren.

Ungleichheiten beim Zugang zur Weiterbildung
Trotz der hohen Bedeutung des lebenslangen Lernens in der modernen Arbeitswelt hat die betriebliche Weiterbildung nach einem massiven Einbruch in der Corona-Pandemie das Vor-Krisen-Niveau noch nicht erreicht. Das zeigt eine aktuelle Untersuchung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Die Weiterbildungschancen unterscheiden sich zudem deutlich zwischen einzelnen Beschäftigtengruppen. Insbesondere Geringqualifizierte und Ältere nehmen nur unterdurchschnittlich teil. Dies hat unter anderem mit mangelnden Informationen über Weiterbildungsmöglichkeiten zu tun, aber auch mit Ängsten vor dem Lernen. Um die Weiterbildungsbeteiligung zu erhöhen, muss an diesen Hürden angesetzt werden. Dabei sollten auch der Bekanntheitsgrad und die Nutzung bestehender Förderinstrumente ausgebaut werden.
Wird die Bildung vernachlässigt, drohen Kompetenzdefizite, Produktivitätseinbußen und eingeschränkte Teilhabechancen – mit negativen Konsequenzen für Wirtschaft und Gesellschaft.

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