
RKW EXPERTISE
Führung und Führungsausbildung heute – Pflicht und Kür verbinden
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Im Mittelstand nehmen die meisten Führungskräfte sowohl Fach- als auch Führungsaufgaben wahr. Die Fachaufgaben können beispielsweise Brot backen, Gebäude entwerfen, Finanzprodukte erstellen, Akten bearbeiten oder Gussformen herstellen sein. Und der andere Teil sind die Führungsaufgaben, also Aufgaben, bei denen es darum geht, Menschen und Ressourcen so zu koordinieren, dass die Resultate erzielt werden, die das Unternehmen benötigt.
Allerdings werden diese beiden Aufgabenbereiche häufig unterschiedlich betrachtet: Das Professionalitätslevel bei Fachaufgaben wird in der Regel sehr akribisch bewertet. Die Professionalität bei Führungsaufgeben hingegen scheint weniger zu interessieren – ganz gleich, ob es sich um den Handwerksmeister, eine Teamleitung, eine Abteilungsleiterin, einen Werksleiter oder den CEO eines Konzerns handelt.
Führungskräfte müssen Wirksamkeit entfalten und dafür sorgen, dass die passenden Resultate durch die ihnen unterstellten Menschen mit den vorhandenen Ressourcen erbracht werden.

Führung – große Wirkung und wenig Standards
Wenn man sich nun vor Augen führt, welchen Einfluss Führungskräfte auf die Zufriedenheit, Motivation oder die Weiterentwicklung der Beschäftigten einerseits und auf die Umsetzungsstärke und die Zielerreichung eines Unternehmens andererseits haben, ist es schwer nachzuvollziehen, warum oft eher weniger Augenmerk auf die Qualifikation und Auswahl von Führungskräften gelegt wird. Mehr noch: Die Meinungen darüber, was Führung ist und worauf es konkret ankommt, variieren stark. Doch zu viel Offenheit und Beliebigkeit ist für die Führungspraxis nicht hilfreich, daher folgen auch wir im RKW Kompetenzzentrum einer Definition des Führungsjobs von Fredmund Malik: „Der Beruf der Wirksamkeit und des Resultate-Erzielens." Oder in anderen Worten: Führungskräfte müssen Wirksamkeit entfalten und dafür sorgen, dass die passenden Resultate durch die ihnen unterstellten Menschen mit den vorhandenen Ressourcen erbracht werden.
Gleichzeitig wird der Führungsjob aufgrund steigender Anforderungen und Widersprüchlichkeiten zunehmend zu einer „Mission Impossible“ und Unternehmen berichten, dass es immer schwerer wird, freie Führungspositionen zu besetzen. Daher möchte ich hier beschreiben, was die zentralen Aufgaben von Führungskräften sind und welche Fähigkeiten sie haben sollten. Dies ermöglicht deren konkrete Unterstützung und kann dazu beitragen, dass sich Führungskräfte als wirksam erleben und der Führungsjob auch wieder attraktiver wird. Am Ende geht es um Professionalität, durch diese die Führungskräfte selbst – aber auch die anderen Beschäftigten und die Betriebe – profitieren sollen. Dafür braucht es ein solides Fundament sowie Selbstführung:
Die „Pflicht“
Hier geht es um ein klares Verständnis davon, was die zentralen Aufgaben von Führungskräften sind und was sie verantworten müssen. Dies ist deshalb so wichtig, weil sichergestellt werden muss, dass das gesamte Unternehmen wirksam bleibt. Das heißt, wenn hier etwas fehlt, besteht die Gefahr, dass wichtige Aufgaben liegen bleiben. Und das hat Auswirkung auf den ganzen Betrieb. Dies könnte man als die „handwerkliche Seite“ von Führung beschreiben – die Aufgaben sind klar definierbar und es gibt viele gute Tools und Standards, die dabei unterstützen.
Der RKW Führungsnavigator beschreibt klar, für welche Aufgaben Führungskräfte Verantwortung übernehmen müssen und mit welchen Hebeln sie eingreifen können, um erfolgreich zu sein. Damit kann jedes Unternehmen klar definieren, was Führungskräfte tun und können müssen, um wirksam zu sein und Resultate zu erzielen. Wichtig ist hier zu verstehen, dass die Art und Weise, wie diese Aufgaben wahrgenommen werden, offen ist beziehungsweise vom Betrieb festgelegt wird. Es muss nur sichergestellt werden, dass die Aufgaben überhaupt wahrgenommen werden.
Ein Beispiel: „Für Ziele sorgen“ heißt nicht, dass die Führungskraft sich alles allein ausdenken muss. Es geht darum, dass sie dafür sorgt, dass dies überhaupt stattfindet. Denn: Wenn sie es nicht macht, bleibt das Risiko, dass es niemand macht und sich unter Umständen jeder seine eigenen Ziele sucht. Bei der „Pflicht“ geht es also um das Basis-Set der Führungsaufgaben sowie das Verantwortungsbewusstsein, diese auch wahrzunehmen.

Der RKW Führungsnavigator beschreibt mit seinen Elementen die wesentlichen Aufgaben und Gestaltungsfelder wirksamer Führung. Er bietet so Orientierung und somit die Grundlage, Führung im Betrieb zu besprechen und zu bearbeiten.
Die „Kür“
Neben den klar definierbaren Standards von Führung braucht es aber noch etwas vollkommen anderes. Im Führungsnavigator ist dies als die „Erfolgsbasis der Selbstführung“ abgebildet. Die Art und Weise der Selbstführung hat Einfluss darauf, wie gut Führung auch „in schwierigem Gelände“ funktioniert. Beispielsweise wirkt kompetente Selbstführung auf folgende Fragen:
- Wie gut lässt es sich mit belastenden Situationen, Druck, Konflikten und Stress umgehen?
- Wie lässt sich Menschlichkeit und Professionalität verbinden?
- Wie geht man mit unentscheidbaren Entscheidungen um?
- Wie erreicht und berührt man andere Menschen?
- Wie lassen sich Kreativität und Zusammenarbeit fördern?
- Wie können KI-Ergebnisse kritisch reflektiert werden?

Die Selbstführung ist somit der Ausgangspunkt für die persönliche Wirksamkeit und beeinflusst die Qualität aller wahrgenommenen Aufgaben sowie letztlich auch die Gesundheit und Arbeitsfähigkeit der Führungskräfte.
Will man hier ein gewisses Niveau oder gar die Meisterschaft erreichen, braucht es nicht nur Führungs-Know-how oder gute Tools. Hier ist die Offenheit, sich auf die Veränderung eigener Gewohnheiten, Automatismen oder Glaubenssätze einzulassen, zentral. Dies kann man jedoch nicht verordnen und man muss akzeptieren, dass viele Menschen eine tiefere Auseinandersetzung mit sich selbst generell oder im beruflichen Kontext ablehnen. Nichtsdestotrotz ist gerade heute, in Zeiten großer Umbrüche, die Qualität der Selbstführung wesentlich für die Führungsqualität – denn sie hilft im Umgang mit Unsicherheit, Krisen, den unterschiedlichsten Führungssituationen und bei der Wahrnehmung sämtlicher Führungsaufgaben. Selbstführung macht Führungskräfte authentisch, flexibel und verbessert die Kontaktfähigkeit zu Kundinnen, Kunden und Mitarbeitenden. Daher darf dies bei der Entwicklung von Führungskräften nicht mehr fehlen, auch wenn man wohlwissend nicht alle damit erreicht. Hinzu kommt, dass über die Qualität der Selbstführung Tugenden wie menschliche Nähe, Verbindung, aber auch Intuition und Werte ausgedrückt und gelebt werden können – also Bereiche, die die KI nicht abdecken kann.

„Ausbildung“ von Führungskräften
Jetzt kann klar beschrieben werden, was für eine gute „Ausbildung“ von Führungskräften gebraucht wird. Nämlich die Skills, die benötigt werden, um die Führungsaufgaben kompetent wahrzunehmen. Sie bilden das Fundament (die „Plicht“), da diese Aufgaben dazu beitragen, dass Führung überhaupt erst zum Mehrwert für das Unternehmen wird. Hier können neben dem Verantwortungsbewusstsein gute Standards, Tools, Methoden und gute Praxis zur (besseren) Wahrnehmung der Führungsaufgaben beitragen. Der zweite Fokus muss die Selbstführung der Führungskräfte unterstützen. Dieser Teil wird umso wichtiger, je mehr Unsicherheit und Komplexität einerseits vorherrschen und andererseits Spitzenleistung, Zusammenarbeit und Kreativität wichtig sind. Investitionen in die Führungsqualität, die diese zwei Ansatzpunkte enthalten, bringen so dem Unternehmen, den Führungskräften und den Mitarbeitenden gleichermaßen Vorteile.
Abschließend soll daran erinnert werden, dass die Reichweite von Aus- und Weiterbildung begrenzt ist. Damit ist gemeint, dass gewisse Tugenden bei der Suche und Auswahl künftiger Führungskräfte berücksichtigt werden. Ganz oben auf der Liste steht hier das Verantwortungsbewusstsein, also die Fähigkeit, Dinge wahrzunehmen, auch wenn es unangenehm ist, sowie die Freude an anderen Menschen. Denn wenn diese nicht gegeben ist, kann der Führungsjob zur Qual werden.
Steigen Sie noch heute ein und verbessern Sie Ihre eigene Führungsqualität und/oder die der Führungskräfte im gesamten Unternehmen.
Lernen Sie die zentralen Führungsaufgaben kennen – der RKW Führungsnavigator:
Die drei Quellen wirksamer Führung – Leitfaden Mit wirksamer Führung zum Ergebnis:
Verbessern Sie Ihre Selbstführung – Kompetenzen der Zukunft:

Sascha Hertling ist Mitarbeiter im Fachbereich „Digitalisierung und Innovation“ beim RKW Kompetenzzentrum.
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