EXPERTENBEITRAG



Entrepreneurship-Education als Schlüssel zu Zukunftskompetenzen

Wie unternehmerisches Denken und Handeln junge Menschen auf eine (immer) komplexe(re) Arbeitswelt vorbereitet



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Unternehmerische Fähigkeiten sind heute wichtiger denn je. In einer Arbeitswelt, die zunehmend von Digitalisierung, Globalisierung und einer immer schneller werdenden gesellschaftlichen Transformation geprägt ist, reichen klassische Qualifikationen allein oft nicht mehr aus. Denn Berufsbilder verändern sich, neue Branchen entstehen oder verschwinden. Gleichzeitig übernehmen KI und Automatisierung zunehmend Routinetätigkeiten. Umso wichtiger wird es, innovative Lösungsansätze zu entwickeln und zügig umzusetzen – auch mit Blick auf die großen gesellschaftlichen und ökologischen Herausforderungen unserer Zeit. Gefragt sind daher Kompetenzen, die es ermöglichen, flexibel zu denken, eigenständig zu handeln und aktiv Lösungen zu entwickeln.



Schlüsselkompetenzen für unternehmerisches Handeln 


Das unternehmerische Mindset umfasst eine Vielzahl an Kompetenzen und Eigenschaften, die Menschen befähigen, Chancen zu erkennen, Herausforderungen zu meistern und aktiv Lösungen zu entwickeln – sei es bei der Neugründung eines eigenen Unternehmens, bei Nachfolgegründungen oder innerhalb bestehender Organisationen.


Dazu zählen:

  • Verantwortungs- und Risikobereitschaft,
  • kreatives Denken und Handeln,
  • Teamgeist,
  • Eigeninitiative,
  • Problemlösungskompetenzen und nicht zuletzt
  • Mut, Dinge einfach anzugehen.


Wer unternehmerisch denkt, kann Chancen besser einschätzen, Risiken abwägen, andere motivieren und auch unter unsicheren Bedingungen Verantwortung übernehmen.


Ziel ist es, junge Menschen dazu zu befähigen, mit unternehmerischen Ansätzen Lösungen für wirtschaftliche und gesellschaftliche Herausforderungen zu entwickeln.


Wie Entrepreneurship-Education Kompetenzen gezielt fördert

Entrepreneurship-Education, also unternehmerische Bildung, setzt genau hier an: Sie zielt darauf ab, diese Schlüsselkompetenzen frühzeitig und systematisch in Schulen, in der Ausbildung und an Hochschulen zu fördern. Im Mittelpunkt steht dabei weniger die Vorbereitung auf eine Unternehmensgründung oder eine Karriere als Unternehmerin oder Unternehmer, sondern die Vermittlung von Zukunftskompetenzen und die Stärkung der Persönlichkeit. Ziel ist es, junge Menschen dazu zu befähigen, mit unternehmerischen Ansätzen Lösungen für wirtschaftliche und gesellschaftliche Herausforderungen zu entwickeln – heute und in Zukunft.

Wie Entrepreneurship-Education wirkt: Lernen durch Praxis 

Statt rein theoretischer Wissensvermittlung setzt Entrepreneurship-Education auf handlungsorientiertes Lernen. Junge Menschen werden aktiv in reale Problemlösungsprozesse eingebunden, entwickeln eigene Ideen und setzen Projekte eigenständig um. Dabei lernen sie, ihre Stärken zu erkennen, im Team zu arbeiten und Verantwortung zu übernehmen. Gleichzeitig entwickeln sie die Fähigkeit, mit Unsicherheit umzugehen und fundierte Entscheidungen zu treffen.

Im Fokus steht insbesondere die Förderung von Kreativität und Innovationsfähigkeit. Schülerinnen und Schüler, Auszubildende sowie Studierende werden ermutigt, neue Perspektiven einzunehmen, unkonventionelle Lösungen zu entwickeln und Fehler als Teil des Lernprozesses zu begreifen. Das stärkt nicht nur ihre Innovationskompetenz, sondern auch das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten.

Auch soziale und kommunikative Kompetenzen werden gezielt gefördert: Junge Menschen lernen, Ideen klar zu formulieren, andere zu überzeugen und konstruktiv mit Feedback umzugehen. Die Arbeit im Team und die Präsentation der eigenen Ergebnisse und Ideen fördern dabei zusätzlich soziale und kommunikative Fähigkeiten. Darüber erlernt man, Gedanken klar auszudrücken, andere zu überzeugen und konstruktiv mit Feedback umzugehen: Fähigkeiten, die in nahezu allen Lebensbereichen an Bedeutung gewinnen.


Wie kann Entrepreneurship-Education in der Praxis aussehen?

Entrepreneurship-Education entfaltet ihre Wirkung vor allem dann, wenn sie niedrigschwellig, praxisnah und im Lernalltag verankert ist. Schülerfirmen, in denen Jugendliche eigene Geschäftsideen entwickeln und Verantwortung übernehmen oder Unternehmensplanspiele, die wirtschaftliche Zusammenhänge in einer geschützten Lernumgebung simulieren, machen dabei unternehmerisches Denken und Handeln ebenso erlebbar wie (Gründungs-)Wettbewerbe oder praxisnahe Projektformate im Schulalltag.


Entrepreneurship-Education ist kein Zusatz, sondern Bestandteil einer zukunftsorientierten Bildung.



Vom Schulwettbewerb zum Tech-Start-up

Ein Beispiel dafür, wie dieser Weg konkret in eine Gründung münden kann, ist die Geschichte von Florian Scherl. Der heutige Start-up-Gründer kam bereits früh mit Entrepreneurship-Education in Berührung und reichte seine erste Geschäftsidee im Rahmen des Gründungswettbewerbs JUGEND GRÜNDET ein. Aus dieser Erfahrung entwickelte sich sein weiterer Weg in die Gründungsszene. Heute führt er mit seinem Unternehmen ein wachsendes Tech-Start-up, das KI-basierte Lösungen zur automatisierten Erstellung von Erklärvideos entwickelt und damit Wissen in Unternehmen zugänglicher macht. Seine Geschichte zeigt exemplarisch, wie aus schulischen Wettbewerben und ersten Gründungserfahrungen reale unternehmerische Karrieren entstehen können.



Insgesamt ist die Umsetzung von Entrepreneurship-Education an Schulen fragmentiert und stark von regionalem Engagement abhängig. 


Vom Gründungsgeist zur Fachkräftesicherung im Mittelstand

Entrepreneurship-Education weckt bei jungen Menschen nicht nur das Interesse und die Lust auf die Gründung des eigenen Start-ups. Sie stärkt zugleich die Fachkräftesicherung im Mittelstand, indem sie unternehmerische Kompetenzen fördert, die auch innerhalb bestehender Unternehmen gefragt sind. Als Intrapreneure bringen Mitarbeitende Eigeninitiative, Innovationsfähigkeit und Verantwortungsbewusstsein ein und treiben Veränderungen aktiv voran. Gerade mit Blick auf den demografischen Wandel und die anstehenden Generationenwechsel in vielen mittelständischen Unternehmen gewinnt dies zusätzlich an Bedeutung. 

Entrepreneurship-Education kann dazu beitragen, junge Menschen frühzeitig an das Thema Unternehmensnachfolge heranzuführen und diese als attraktive, zukunftsweisende Option sichtbar zu machen. 


Status quo der Entrepreneurship-Education in Deutschland

In Deutschland ist die Umsetzung von Entrepreneurship-Education aufgrund der föderalen Bildungsstruktur sehr unterschiedlich ausgeprägt. Ein einheitliches, flächendeckendes Schulfach existiert nicht. Stattdessen zeigt sich eine Kombination aus curricularen Ansätzen, Modellprojekten und außerschulischen Initiativen.

Einige Bundesländer treiben das Thema strategisch voran – etwa durch eigene Landeskonzepte oder die Integration in schulische Profile. Insgesamt ist die Umsetzung jedoch weiterhin fragmentiert und stark von regionalem Engagement abhängig.

Zukunft gestalten: Warum Entrepreneurship-Education weiter gestärkt werden sollte 

Angesichts von Fachkräftemangel, Transformation und wachsender Komplexität gewinnt Entrepreneurship-Education weiter an Bedeutung. 

Dabei geht es nicht nur um Gründungsförderung, sondern um die Entwicklung eines unternehmerischen Mindsets: Selbstwirksamkeit, Entscheidungsfähigkeit und Gestaltungswille stehen im Mittelpunkt. Jugendliche lernen, Chancen zu erkennen, Verantwortung zu übernehmen und aktiv an gesellschaftlichen Entwicklungen mitzuwirken.

Um dieses Potenzial auszuschöpfen, braucht es ein stärkeres Zusammenspiel von Schule, Wirtschaft, Politik und zivilgesellschaftlichen Initiativen. Wenn erfolgreiche Ansätze systematisch verankert und in die Breite getragen werden, kann Entrepreneurship-Education einen nachhaltigen Beitrag zur Zukunftsfähigkeit von Bildung und Wirtschaft leisten.



Mit der Gründungswoche Deutschland setzt sich das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWE) für die Förderung von Gründungsgeist und Unternehmertum ein. Mehr als 1.250 Partnerinnen und Partner – darunter über 40 Schulen und Unternehmergeist-Initiativen, mehr als 120 Hochschulen sowie zahlreiche Kammern, Wirtschaftsförderungen, Banken, Gründungsinitiativen u. v. m. – beteiligen sich bundesweit.

Gemeinsam bieten Sie jährlich mehr als 1.700 kostenfreie Events, davon über 800 in der Aktionswoche im November, um (junge) Menschen für unternehmerisches Denken und Handeln zu begeistern und sie bei ihrer Neu- oder Nachfolgegründung zu unterstützen. 


Weitere Informationen:
www.gruendungswoche.de


Der Initiativkreis „Gründung in school“ des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWE) vernetzt rund 30 Initiativen, die unternehmerisches Denken und Handeln praxisnah in Schulen bringen. Ziel ist es, dass alle Schülerinnen und Schüler während ihrer Schulzeit mindestens einmal mit Gründungsgeist in Berührung kommen.

Im Mittelpunkt stehen praxisnahe Angebote wie Schülerfirmen, Planspiele und Gründungswettbewerbe, die wirtschaftliche Zusammenhänge erlebbar machen und unternehmerische Kompetenzen fördern.


Weitere Informationen: 
www.gruendunginschool.de




Wilke Ziemann ist Leiter der Geschäftsstelle „Gründung in School“. 

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Nicole Spiegelburg ist Online- und Social-Media-Redakteurin bei „Gründung in school“. 

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Stephanie Kropf ist Mitarbeiterin im RKW Kompetenzzentrum und Leiterin der Bundesweiten Koordinierungsstelle der Gründungswoche Deutschland. 


E-Mail schreiben

Quellen:


Zika, G., Kalinowski, M., Krinitz, J., Maier, T., Mönnig, A., Schneemann, C., Schroer, J-P., Wolter, M. I. & Zenk, J. (2025a): Fachkräftemonitoring für das BMAS – Mittelfristprognose bis 2029, Berlin: Bundesministerium für Arbeit und Soziales. 

Zika, G., Hassemer, T-M., Hummel, M., Krebs, B., Maier, T., Mönnig, A., Schneemann, C., Weber, E. & Zenk, J. (2025b): Künstliche Intelligenz: Potenzielle Effekte für den deutschen Arbeitsmarkt. (IAB-Forschungsbericht 23/2025), Nürnberg.

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