EXPERTENBEITRAG


Wie innovieren Hidden Champions?


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Hidden Champions verdanken ihre Weltmarktführerschaft einer außergewöhnlich tiefen technologischen Spezialisierung. Doch Innovation entsteht auch bei ihnen nicht allein innerhalb der Unternehmensgrenzen. Neuere Forschung zeigt, welche Rolle Kunden und externe Wissensquellen spielen und warum selbst für hoch spezialisierte Weltmarktführer das regionale Umfeld von enormer Bedeutung ist.

Innovation aus der Spezialisierung

Die Nische ist für Hidden Champions mehr als die Wahl eines engen Marktes. Sie prägt, wie diese Unternehmen Wissen aufbauen und Innovation organisieren. Wer sich über viele Jahre mit einem eng abgegrenzten technologischen Problem beschäftigt, entwickelt eine Expertise, die sich nur schwer imitieren lässt. Spezialisierung wird damit selbst zu einer Quelle technologischer Wettbewerbsfähigkeit.

Das zeigt sich auch in der Form der Innovation. Forschung zu Hidden Champions beschreibt diese häufig als kontinuierlich und schrittweise. Im Vordergrund steht die Weiterentwicklung einer bestehenden technologischen Basis. Produkte und Prozesse werden über lange Zeiträume verbessert und immer genauer auf spezialisierte Anwendungen zugeschnitten.

Dabei ist nicht allein entscheidend, wie viel ein Unternehmen für Forschung und Entwicklung ausgibt. Vergleichende Studien zeigen, dass Hidden Champions trotz nicht zwingend höherer F&E-Ausgaben eine höhere Innovationsleistung erreichen können. Ihre Stärke liegt damit auch darin, vorhandene Ressourcen und unterschiedliche Wissensquellen effizient für Innovation zu nutzen.

Es ist nicht allein entscheidend, wie viel ein Unternehmen für Forschung und Entwicklung ausgibt.

Der Kunde als Wissensquelle

Die ausgeprägte interne Expertise bedeutet nicht, dass Innovation ausschließlich im eigenen Unternehmen entsteht. Eine zentrale externe Wissensquelle sind die Kunden. Gerade in technologisch anspruchsvollen B2B-Märkten verfügen sie über detailliertes Anwendungswissen. Im engen Austausch werden neue Anforderungen sichtbar und technische Probleme können gemeinsam gelöst werden. Langfristige Kundenbeziehungen werden so zu einem wichtigen Bestandteil des Innovationsprozesses.

Das ist keineswegs Hidden Champions vorbehalten. Bei ihnen wird jedoch besonders deutlich, wie Spezialisierung und Offenheit zusammenwirken können. Eine tiefe eigene Wissensbasis erleichtert es, Informationen von außen einzuordnen und für die eigene technologische Entwicklung zu nutzen. 


Hochschulen und regionale Wissensspillover

Die Innovationsforschung geht seit Langem davon aus, dass neues Wissen nicht vollständig dort verbleibt, wo es entsteht. Ein Teil verbreitet sich über sogenannte Wissensspillover in das regionale Umfeld. Universitäten spielen dabei eine wichtige Rolle. Durch Forschung und Lehre entsteht Wissen, das Unternehmen in ihrer Umgebung erreichen kann. Räumliche Nähe begünstigt solche Prozesse, etwa durch persönliche Kontakte, Kooperationen oder die Mobilität von Absolventen und Forschenden.

Ob daraus Innovation entsteht, hängt allerdings auch vom Unternehmen selbst ab. Es muss externes Wissen erkennen, verstehen und mit seiner bestehenden Wissensbasis verbinden können. Diese in der Forschung als absorptive capacity bezeichnete Fähigkeit ist bei Hidden Champions besonders interessant: Ihre technologische Spezialisierung kann sie gerade dazu befähigen, relevantes externes Wissen aufzunehmen und wirtschaftlich zu nutzen.

Im Rahmen einer Untersuchung von 124 italienischen Hidden Champions wurde deutlich, dass Unternehmen in räumlicher Nähe zu Universitäten eine höhere Innovationsleistung aufweisen. Dieser Zusammenhang ist bei größeren Hochschulen stärker und zudem besonders ausgeprägt bei Universitäten mit hoher Kompetenz in den Ingenieurwissenschaften. Es kommt also nicht nur darauf an, dass Wissen verfügbar ist. Es muss auch zur technologischen Basis des Unternehmens passen.

70 Prozent der Hidden Champions sind in Städten mit weniger als 50.000 Einwohnern angesiedelt.

​Wissen entsteht auch zwischen Unternehmen

Universitäten stellen nur eine Quelle regionaler Wissensspillover dar. Auch die räumliche Nähe zu anderen Unternehmen kann den Zugang zu neuem Wissen erleichtern. Cluster schaffen hierfür günstige Bedingungen. Besonders interessant ist die Frage, ob spezialisierte Unternehmen vor allem von ähnlichem Wissen profitieren oder ob gerade unterschiedliche Wissensbestände neue technologische Kombinationen ermöglichen.

Dazu wurden in einer weiteren Studie 1.372 deutsche Hidden Champions untersucht. Unternehmen innerhalb regionaler Cluster weisen eine rund 1,5-mal höhere Patentierungsrate auf. Der Zusammenhang fällt zudem in technologisch vielfältigeren Clustern stärker aus.

Eine zentrale externe Wissensquelle sind die Kunden.

Spezialisierung und Offenheit gehören zusammen

Die Forschung zeichnet damit ein differenzierteres Bild davon, wie Hidden Champions innovieren. Ihre technologische Stärke beruht zunächst auf einer über lange Zeit aufgebauten eigenen Wissensbasis. Gerade diese schafft jedoch die Voraussetzungen, um auch Wissen von außen produktiv zu nutzen.

Spezialisierung bedeutet deshalb nicht Abschottung. Denn für Unternehmen liegt darin eine wichtige Erkenntnis: Eigene technologische Kompetenz bleibt die Grundlage für Innovation. Sie bestimmt aber zugleich, wie gut neues Wissen von Kunden, Hochschulen oder aus dem Unternehmensumfeld erkannt und genutzt werden kann.

Und auch für die Wirtschaftsförderung folgt daraus eine Konsequenz. Ein leistungsfähiges Innovationsökosystem muss nicht dem Modell des Silicon Valley folgen. Gerade für den industriellen Mittelstand können Hochschulen mit technologisch anschlussfähiger Forschung und regionale Unternehmenslandschaften, in denen Wissen über Unternehmensgrenzen hinweg verfügbar wird, eine wichtige Grundlage für Innovation bilden.

Eigene technologische Kompetenz bleibt die Grundlage für Innovation.

​​Quellen:

Schenkenhofer, J. (2022): Hidden champions: A review of the literature & future research avenues. Management Review Quarterly, 72(2), 417–482.

Schenkenhofer, J., Block, J., & Vismara, S. (2025): University knowledge spillovers and innovation of hidden champions: Evidence from Italy. R&D Management, 55(2), 598–613.

Lehmann, E. E., Schenkenhofer, J., & Vismara, S. (2026): Hidden champions and knowledge spillovers: innovation-enhancing agglomeration effects and niche technology specificity. Small Business Economics, 66(2), 827–847.

Jun.-Prof. Dr. Julian E. Schenkenhofer lehrt und forscht im Bereich Entrepreneurial Families an der WHU – Otto Beisheim School of Management. 
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