EXPERTENBEITRAG
Wie innovieren Hidden Champions?
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Hidden Champions verdanken ihre Weltmarktführerschaft einer außergewöhnlich tiefen technologischen Spezialisierung. Doch Innovation entsteht auch bei ihnen nicht allein innerhalb der Unternehmensgrenzen. Neuere Forschung zeigt, welche Rolle Kunden und externe Wissensquellen spielen und warum selbst für hoch spezialisierte Weltmarktführer das regionale Umfeld von enormer Bedeutung ist.

Innovation aus der Spezialisierung
Die Nische ist für Hidden Champions mehr als die Wahl eines engen Marktes. Sie prägt, wie diese Unternehmen Wissen aufbauen und Innovation organisieren. Wer sich über viele Jahre mit einem eng abgegrenzten technologischen Problem beschäftigt, entwickelt eine Expertise, die sich nur schwer imitieren lässt. Spezialisierung wird damit selbst zu einer Quelle technologischer Wettbewerbsfähigkeit.
Das zeigt sich auch in der Form der Innovation. Forschung zu Hidden Champions beschreibt diese häufig als kontinuierlich und schrittweise. Im Vordergrund steht die Weiterentwicklung einer bestehenden technologischen Basis. Produkte und Prozesse werden über lange Zeiträume verbessert und immer genauer auf spezialisierte Anwendungen zugeschnitten.
Dabei ist nicht allein entscheidend, wie viel ein Unternehmen für Forschung und Entwicklung ausgibt. Vergleichende Studien zeigen, dass Hidden Champions trotz nicht zwingend höherer F&E-Ausgaben eine höhere Innovationsleistung erreichen können. Ihre Stärke liegt damit auch darin, vorhandene Ressourcen und unterschiedliche Wissensquellen effizient für Innovation zu nutzen.
Es ist nicht allein entscheidend, wie viel ein Unternehmen für Forschung und Entwicklung ausgibt.
70 Prozent der Hidden Champions sind in Städten mit weniger als 50.000 Einwohnern angesiedelt.
Eine zentrale externe Wissensquelle sind die Kunden.
Spezialisierung und Offenheit gehören zusammen
Die Forschung zeichnet damit ein differenzierteres Bild davon, wie Hidden Champions innovieren. Ihre technologische Stärke beruht zunächst auf einer über lange Zeit aufgebauten eigenen Wissensbasis. Gerade diese schafft jedoch die Voraussetzungen, um auch Wissen von außen produktiv zu nutzen.
Spezialisierung bedeutet deshalb nicht Abschottung. Denn für Unternehmen liegt darin eine wichtige Erkenntnis: Eigene technologische Kompetenz bleibt die Grundlage für Innovation. Sie bestimmt aber zugleich, wie gut neues Wissen von Kunden, Hochschulen oder aus dem Unternehmensumfeld erkannt und genutzt werden kann.
Und auch für die Wirtschaftsförderung folgt daraus eine Konsequenz. Ein leistungsfähiges Innovationsökosystem muss nicht dem Modell des Silicon Valley folgen. Gerade für den industriellen Mittelstand können Hochschulen mit technologisch anschlussfähiger Forschung und regionale Unternehmenslandschaften, in denen Wissen über Unternehmensgrenzen hinweg verfügbar wird, eine wichtige Grundlage für Innovation bilden.
Eigene technologische Kompetenz bleibt die Grundlage für Innovation.
Schenkenhofer, J. (2022): Hidden champions: A review of the literature & future research avenues. Management Review Quarterly, 72(2), 417–482.
Schenkenhofer, J., Block, J., & Vismara, S. (2025): University knowledge spillovers and innovation of hidden champions: Evidence from Italy. R&D Management, 55(2), 598–613.
Lehmann, E. E., Schenkenhofer, J., & Vismara, S. (2026): Hidden champions and knowledge spillovers: innovation-enhancing agglomeration effects and niche technology specificity. Small Business Economics, 66(2), 827–847.

Jun.-Prof. Dr. Julian E. Schenkenhofer lehrt und forscht im Bereich Entrepreneurial Families an der WHU – Otto Beisheim School of Management.
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