RKW EXPERTISE


Heute gegründet, 

morgen Hidden Champion?



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Unternehmensgründungen sind ein wichtiger Motor für die Wirtschaft in Deutschland – sie schaffen Arbeitsplätze und treiben Innovationen voran. Doch wie innovativ sind Gründerinnen und Gründer in Deutschland tatsächlich? Und wie groß ist das Potenzial, dass aus den Gründungen von heute die Hidden Champions von morgen entstehen? 


Ein Blick in die Daten des Global Entrepreneurship Monitors (GEM) 2025 liefert zwar keine Aussage darüber, welche Unternehmen tatsächlich zu Hidden Champions werden. Die Studie zeigt jedoch anhand von Merkmalen wie Innovations-, Internationalisierungs-, Wachstums- und Technologieorientierung auf, wie groß das Potenzial der heutigen Gründerinnen und Gründer ist, sich langfristig in diese Richtung zu entwickeln.

Die meisten Gründungen setzen auf Bewährtes

Wer von Gründungen spricht, denkt oft automatisch an die klassischen wachstums- und innovationsorientierten Start-ups. Diese machen allerdings nur einen Bruchteil aller Existenzgründungen in Deutschland aus. Wie die Daten des GEM zeigen, gaben knapp 60 Prozent der Gründerinnen und Gründer (laut Definition im GEM sind das Personen, die in den letzten 3,5 Jahren ein Unternehmen gegründet haben oder sich gerade in der Gründungsphase befinden) im Jahr 2025 an, dass ihre (geplanten) Produkte oder Dienstleistungen nicht neu sind. Sie setzen also überwiegend auf bestehende Angebote – dabei sind Innovationen eine Voraussetzung für starkes Wachstum und machen häufig den Unterschied beim Aufstieg zum Marktführer.


40%

40 Prozent der Gründerinnen und Gründer in Deutschland möchten mit ihrem Unternehmen eine Neuheit hervorbringen. Eine weltweite Innovation planen nur 4 Prozent.


Innovation: Neuheiten entstehen vor allem regional

Immerhin knapp 40 Prozent der Gründerinnen und Gründer in Deutschland möchten mit ihrem Unternehmen eine Neuheit hervorbringen. Eine weltweite Innovation planen nur 4 Prozent. Den größten Teil machen die Gründerinnen und Gründer mit (geplanten) regionalen Neuheiten aus – ungefähr ein Fünftel gibt an, dass ihr Produkt oder ihre Dienstleistung für die Region, in der sie leben, neu ist bzw. neu sein wird.


Internationalisierung: Deutsche Gründerinnen und Gründer denken global 

Obwohl sich die meisten Gründerinnen und Gründer auf bestehende Produkte und Dienstleistungen oder regionale Neuheiten konzentrieren, sind erstaunlich viele von ihnen international orientiert: 37 Prozent der Unternehmen geben an, mehr als 25 Prozent ihres Umsatzes außerhalb des eigenen Landes zu erwirtschaften bzw. erwirtschaften zu wollen. Im Vergleich mit den anderen einkommensstarken GEM-Teilnehmerländern steht Deutschland mit diesem Wert an der Spitze. 

Ähnlich stark schneidet Deutschland bei der internationalen Kundenorientierung ab: 44 Prozent der Gründerinnen und Gründer geben an, Kundinnen und Kunden außerhalb von Deutschland zu haben. Im internationalen Vergleich ist das ein hoher Anteil. Noch höher liegt er lediglich in Estland und Litauen (jeweils 53 Prozent). In den USA gibt beispielsweise nur ein Drittel der Gründerinnen und Gründer an, Kundinnen und Kunden außerhalb des Landes zu haben. 

„Spitzenwert: 37 Prozent der Gründerinnen und Gründer erwirtschaften über ein Viertel ihres Umsatzes auf dem internationalen Markt (oder planen dies).“

Beschäftigungswachstum: Mehr Arbeitsplätze schaffen hat keine Priorität

Großes Beschäftigtenwachstum erwartet nur ein kleiner Teil der Gründerinnen und Gründer: 15 Prozent gehen davon aus, dass sie in den nächsten fünf Jahren mehr als zehn Arbeitsplätze schaffen werden und sich die Zahl der Beschäftigten dadurch mindestens verdoppelt. Im internationalen Vergleich liegt Deutschland hier im Mittelfeld – gemeinsam mit beispielsweise Norwegen (16 Prozent) und Ungarn (15 Prozent). Knapp 60 Prozent der Gründerinnen und Gründer erwarten in den nächsten fünf Jahren dagegen kein Beschäftigungswachstum, rund 20 Prozent rechnen mit einem geringen Zuwachs von ein bis fünf Mitarbeitenden.


Technologie: Hightech bleibt die Ausnahme

Gerade einmal acht Prozent der Gründerinnen und Gründer gründen oder planen ihr Unternehmen in Sektoren mit mittlerer oder hoher Technologieintensität. Über die Hälfte gründet in konsumorientierten Branchen, gefolgt von unternehmensnahen Dienstleistungen (30 Prozent), dem verarbeitenden Gewerbe (15 Prozent) und dem Rohstoffsektor (2 Prozent).


Starke Unternehmen mit regionaler Wirkung statt Hidden Champions

Sind Gründerinnen und Gründer die Hidden Champions von morgen? Wahrscheinlich trifft das nur auf einen kleinen Teil zu. Unsere Daten zeigen: Die meisten Gründerinnen und Gründer erfüllen nicht das klassische Profil eines zukünftigen Hidden Champions. Sie entwickeln vergleichsweise selten Weltneuheiten, gründen kaum in technologieintensiven Branchen und planen meist kein starkes Beschäftigtenwachstum. Das macht ihre Unternehmen keineswegs weniger relevant. Viele Unternehmen sind international ausgerichtet und schaffen mit regionalen Innovationen wirtschaftlichen Mehrwert. Außerdem entstehen auch durch kleinere, schrittweise Beschäftigungszuwächse neue Arbeitsplätze. 

Denn wirtschaftliche und gesellschaftliche Veränderungen beginnen oft im Kleinen – und nicht jede erfolgreiche Gründung muss Weltmarktführer werden.

GEM Länderbericht Deutschland

Weitere Analysen zum Gründungsgeschehen in Deutschland finden Sie im aktuellen GEM-Länderbericht Deutschland.


Zum GEM Länderbericht 2026

Julia Schauer ist Mitarbeiterin im Fachbereich „Gründung“ beim RKW Kompetenzzentrum. 


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