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RKW EXPERTISE




Offenheit statt große 
„Vorturner“
 

Wie Verantwortung und flache Hierarchien zu Erfolgsfaktoren werden



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Hidden Champions stehen modellhaft für Wirtschaftskraft im deutschen Mittelstand. Mit hochwertigen, innovativen Nischenprodukten sind sie auf dem Weltmarkt stark aufgestellt. Technische Kompetenz, qualifizierte Fachkräfte und Kundenorientierung sind ihre Kernmerkmale. So wie die Firma Grunewald mit 180 Beschäftigten und Standorten in Bocholt und Irxleben. Bei Grunewald sind es insbesondere die modernen Organisationsstrukturen, die es allen Akteurinnen und Akteuren ermöglichen, Innovationen voranzubringen.

Handwerkliche Präzision plus hochmoderne Technologien

Das Familienunternehmen in dritter Generation erstellt hochwertige Erzeugnisse im Werkzeug- und Formenbau, Sondermaschinen sowie maßgeschneiderte Gusslösungen. Handwerkliche Präzision trifft hier auf hochmoderne Technologien. Das Unternehmen ist mit einer breiten Palette an Produkten auf dem Weltmarkt erfolgreich: ob dünnwandiger Aluminiumguss, Rahmen für die Belichtung von Siliziumscheiben in der Halbleiterindustrie oder Sondermaschinenbau im Bereich Ultraschallschweißen. Damit ist Grunewald stark diversifiziert und steht auf solidem Boden. 


„Mission Zukunft“: Alle innovieren mit!

Vor einigen Jahren hat Grunewald seine internen Strukturen und die Arbeitskultur grundlegend modernisiert: Hierarchien wurden abgeflacht oder ganz abgebaut. So konnten die Mitarbeitenden mit ihren Erfahrungen und Ideen viel einfacher zu Innovationstreibern werden. Wolfgang Overbeck, Leiter der Ausbildung und Teammitglied der Betriebsleitung, erklärt, wie dies gelungen ist:

„Wir wollen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mehr mitnehmen. Die Zeit der großen ‚Vorturner‘, also dass der Meister sagt, so, hier geht‘s lang, ist vorbei.“ 

Auf diesen Nenner bringt er die „Mission Zukunft“. Dahinter steht mehr als moderne Führungsstilrhetorik. Das Arbeitskonzept setzt konsequent auf Fachwissen, Innovationskraft und Partizipation. An die Stelle von Leistungsdruck treten Motivation und Unterstützung. Neuerungen und Ideen der Mitarbeitenden sind ausdrücklich willkommen.


Generationenwechsel in der Führung: mehr Entscheidungen für die Profis vor Ort

Die „Mission Zukunft“ wurde vor rund vier Jahren auf den Weg gebracht. Anlass war ein Generationenwechsel. Der Seniorchef, bei dem bis dahin alle Fäden zusammenliefen, übergab das Unternehmen an seine beiden Söhne. Damit begann ein neuer Führungsstil: Es sollte nicht mehr mit Ad-hoc-Anweisungen „von oben“ in die operative Arbeit „hineinregiert“ werden. Viele Entscheidungsbefugnisse wurden deshalb auf die Teams in den Arbeitsbereichen übertragen. Manche Führungskräfte taten sich gerade anfangs schwer mit den neuen Regeln. Doch das neue Konzept war erfolgreich.


Das „Q-Programm“: Innovationsprojekte – von Beschäftigten geleitet

Aus der Mission Zukunft heraus entstand das von den Mitarbeitenden initiierte und entwickelte „Q-Programm“. Innovationsprojekte werden in flexiblen, je nach Aufgabe interdisziplinär zusammengesetzten Teams bearbeitet. Nicht immer hat dabei die Bereichsleitung das Sagen. Die Teamleitung können auch diejenigen übernehmen, die eine Idee haben und diese umsetzen wollen. Dazu müssen Projektziel, Arbeitsschritte sowie Personal- und Ressourcenbedarf plausibel dargelegt werden. Dieser Prozess ist transparent: Alle Beschäftigten können die Projektvorhaben einsehen.


„Der Zerspaner möchte seine Maschine mit Robotertechnik ausrüsten, damit eine mannlose Bestückung stattfinden kann. Er muss dann angeben, welche Fachleute er für die Planung und Umsetzung in seinem Team braucht: einen Programmierer, einen Elektriker, einen Konstrukteur und Unterstützung aus der Lehrwerkstatt. Wenn das Projekt dann genehmigt wird, bildet sich diese Gruppe für die Zeit der Digitalisierung der Anlage.“


Von der Idee in die Umsetzung 

Als Beispiel für intern entstandene Innovationen nennt Wolfgang Overbeck die Idee eines Facharbeiters für Zerspanungstechnik, durch Robotereinsatz die Maschinenauslastung zu verbessern und die menschliche Arbeit zu erleichtern:

Beim nächsten Vorhaben kann die Zusammensetzung des Teams dann wieder ganz anders aussehen. Die Möglichkeit, Verantwortung zu übernehmen, Projekte zu initiieren und dabei auch die Teamleitung zu übernehmen, ist auf sehr positive Resonanz bei den Beschäftigten gestoßen. Unterstützt wird das Q-Programm durch kurze Dailys und Weeklys, in denen Informationen ausgetauscht und Arbeitsschritte diskutiert werden. 


Kompetenzentwicklung statt Leistungsdruck

Grunewald setzt nicht auf selektierende „Bestenauswahl“ und Leistungsdruck, sondern auf Förderung, Unterstützung und die Bereitschaft, Neues auszuprobieren. Das zeigt sich bereits in der Ausbildung: Die Ausbildungsquote  liegt bei zehn Prozent, Damit ist sie mehr als doppelt so hoch wie im Durchschnitt aller Betriebe in Deutschland (BiBB-Datenreport 2026). Gemeinsam mit Partnerunternehmen stärkt Grunewald zudem die Berufsbildung in der Region.

Technologische Neuerungen werden nicht einfach top-down eingeführt, sondern gemeinsam mit den Mitarbeitenden in der Praxis erprobt. So können diese den konkreten Nutzen der Anwendungen kennenlernen. 


Innovativer Mittelstand

Grunewald definiert sich als „innovativer Mittelstand“: Kurze Entscheidungswege, vertrauensbasierte Beziehungen und Flexibilität verbinden sich mit hohem technischem Know-how. Daraus entsteht Innovationskraft. Eine besondere Forschungs- und Entwicklungsabteilung gibt es nicht. Beschäftigte in allen Bereichen sind mit ihrem Know-how gefragt, um Innovationen auf den Weg zu bringen. 


„Das ist der große Vorteil des Q-Programms, dass jede und jeder Teil der Forschungs- und Entwicklungsabteilung sein kann, der Spaß dran hat. Daraus entsteht ein offenes Team. Darin gibt es keine feste Abteilungsleitung, sondern eine Teamleitung. So kann das Fachwissen von 200 Leuten genutzt werden.“


Stark für die Zukunft

Die Quintessenz für den Erfolg dieses Hidden Champions ist Offenheit. Genau diese Eigenschaft bringt die Firma Grunewald in ihre starke Weltmarktposition – und das soll auch in Zukunft so sein. Und diese Offenheit wirkt nicht nur im Inneren durch die flexibel zusammenarbeitenden Teams in Gießerei, Mechanik und Konstruktion. Auch in der Kooperation mit Kundschaft, Partnerfirmen und Forschung steht Offenheit an erster Stelle.


Ein weiterer Wettbewerbsvorteil ist die Diversifikation. Mit branchenübergreifenden Qualitätsprodukten ist Grunewald gut aufgestellt und bisher nicht in den Sog von Branchenkrisen geraten wie zum Beispiel die Automobilindustrie. Das Unternehmen nutzt und fördert das Know-how seiner Spezialistinnen und Spezialisten aktiv und kann so stets neue Wege und Lösungen für das Geschäft finden.

Quelle:

Bundesinstitut für Berufsbildung (2026): BiBB-Datenreport 2026: https://www.bibb.de/images/content/a1_betriebliche-ausbildungsbeteiligung_schaubild-2_ausbildungsquote_2026_1600px.jpg (letzter Abruf: 25.08.2026)


Dr. Andreas Hinz ist Mitarbeiter im Fachbereich „Fachkräftesicherung“ beim RKW Kompetenzzentrum. 

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