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RKW EXPERTISE



Generationenübergreifendes Lernen: So gelingt erfolgreicher Wissenstransfer im Unternehmen


Die Art, wie Unternehmen Lernen gestalten, entscheidet darüber, wie gut sie Wissen sichern, Kompetenzen aufbauen und Veränderungen erfolgreich umsetzen. Statt Unterschiede zwischen Generationen zu betonen, lohnt ein Blick auf gemeinsame Lernbedürfnisse – denn genau hier liegt der Schlüssel für wirksame Weiterbildung.

Zwar werden Generationenmodelle im HR-Kontext häufig genutzt – ihre Aussagekraft ist jedoch begrenzt. Viele vermeintliche Unterschiede lassen sich empirisch kaum belegen und sind oft stärker durch Lebensphase, Rolle oder Bildung geprägt als durch das Geburtsjahr. Wer Lernen im Unternehmen entlang solcher Generationenschubladen organisiert, läuft daher Gefahr, an den tatsächlichen Bedarfen vorbeizuplanen.



VON DER EUPHORIE IN DIE PRAXIS 

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Quelle: RKW Kompetenzzentrum/2026, GettyImages_ipopba

Gemeinsame Muster: lebenslanges Lernen, digitale Angebote und persönlicher Austausch 

Lernen wird heute als selbstverständlicher Teil der Arbeit verstanden. Studien zeigen, dass die große Mehrheit der Beschäftigten Weiterbildung nicht mehr als Zusatz, sondern als integralen Bestandteil ihrer beruflichen Entwicklung sieht. Auch bei den Lernformaten überwiegen die Gemeinsamkeiten. Digitale Angebote werden generationenübergreifend genutzt, gleichzeitig bleibt der persönliche Austausch zentral. Klassische Formate wie Fachbücher oder Notizen bestehen neben Micro-Learning und KI-gestützten Tools fort. Entscheidend ist weniger das Format als die Passung zum Arbeitsalltag: flexibel, praxisnah und sinnvoll integrierbar.


Statt Generationenschubladen: Lernumgebungen gezielt entwickeln

Für Unternehmen liegt die zentrale Herausforderung nicht in der Generationenfrage, sondern darin, individuelle Lernbedürfnisse in tragfähige Organisationsstrukturen zu übersetzen – unter Berücksichtigung von Lebensphasen und Rollen im Betrieb. Ein großer Teil beruflicher Handlungskompetenz entsteht informell, etwa in Projekten oder im Austausch mit Kolleginnen und Kollegen. Umso wichtiger ist es, Lernumgebungen zu schaffen, die Lern- und Arbeitsprozesse gezielt zu verbinden und eine selbstbestimmte Entwicklung im Arbeitsalltag zu ermöglichen.


Praxisbeispiel Digiscouts: generationenübergreifend lernen – direkt am Arbeitsplatz

Im Digiscouts-Projekt entwickeln Auszubildende und junge Beschäftigte eigenständig digitale Lösungen für konkrete Herausforderungen im Arbeitsalltag. Dabei entsteht eine Lernkultur, die informelles, arbeitsplatznahes Lernen konsequent stärkt. Gelernt wird im Prozess der täglichen Arbeit und im Kontakt mit Kolleginnen und Kollegen aus unterschiedlichen Bereichen und Generationen. Diese generationenübergreifende Zusammenarbeit fördert neben digitalen Kompetenzen vor allem zentrale Zukunftskompetenzen wie Lernen, Problemlösen sowie Kommunikation und Zusammenarbeit.

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Präsenz- und Austauschformate gewinnen an Bedeutung

Präsenz- und Austauschformate werden im Arbeitsalltag sogar wichtiger. Gerade in einer digitalisierten Arbeitswelt ermöglichen sie sozialen Austausch und gemeinsames Lernen. Formate wie Communities of Practice, Mentoring oder kollegiale Beratung stärken den Wissenstransfer und fördern die Zusammenarbeit über alle Altersgruppen hinweg.

Communities of Practice

Definition: Communities of Practice sind informelle Lerngruppen, in denen Mitarbeitende mit ähnlichen Aufgaben oder Interessen regelmäßig Wissen, Erfahrungen und Lösungen austauschen. Ziel ist es, voneinander zu lernen und gemeinsam bessere Arbeitsweisen zu entwickeln.

Praxisimpuls: In einem mittelständischen Maschinenbauunternehmen treffen sich Mitarbeitende aus Produktion und Service einmal im Monat, um typische Fehlerquellen bei Kundenprojekten zu besprechen und Best Practices auszutauschen.



Mentoring

Definition: Beim Mentoring begleitet eine erfahrene Person eine weniger erfahrene Kollegin oder einen weniger erfahrenen Kollegen über einen längeren Zeitraum. Dabei geht es um fachliche Unterstützung, Orientierung im Unternehmen und persönliche Entwicklung.

Praxisimpuls: Eine erfahrene Vertriebsleiterin oder ein erfahrener Vertriebsleiter begleitet eine neue Teamleiterin oder einen neuen Teamleiter in den ersten sechs Monaten und unterstützt sie beziehungsweise ihn bei Kundengesprächen sowie Führungsfragen im Arbeitsalltag.

Kollegiale Beratung

Definition: Kollegiale Beratung ist ein strukturierter Austausch unter Mitarbeitenden auf Augenhöhe, um gemeinsam Lösungen für konkrete berufliche Herausforderungen zu entwickeln. Externe Beratung ist dafür nicht notwendig.

Praxisimpuls: Führungskräfte eines Handwerksbetriebs treffen sich quartalsweise, um schwierige Mitarbeitergespräche oder organisatorische Herausforderungen gemeinsam zu reflektieren und Lösungsansätze zu erarbeiten.



Praxisbeispiel: Erfahrungsaustausch im Führungswechsel mit Reverse-Mentoring

Beim ams Osram-Werk in Schwabmünchen wurde der Wissenstransfer während eines Führungswechsels bewusst als generationsübergreifender Lernprozess gestaltet. Die erfahrene Führungskraft übergibt ihr Know-how nicht abrupt, sondern bleibt über ein Jahr als Mentorin, Mentor und Beraterin, Berater für die jüngere Nachfolge in der Produktion eingebunden. Gleichzeitig unterstützen jüngere Mitarbeitende die ältere Kollegin oder den älteren Kollegen beim Erlernen digitaler Anwendungen. Diese Form der Zusammenarbeit stärkt die Lernkultur zwischen den Generationen und sorgt für nachhaltige Kontinuität und Prozesssicherheit.

Quelle

Lernzeit im Arbeitsalltag ermöglichen

Damit Lernen im Arbeitsalltag gelingt, braucht es vor allem eines: Zeit. Hohe Lernbereitschaft trifft in vielen Unternehmen häufig auf Zeitmangel und Arbeitsverdichtung. Feste Lernzeiten, projektintegrierte Lernziele oder Fokuszeiten ohne Meetings schaffen hier gezielt Abhilfe. Geschützte Lernzeit wird so zum sichtbaren Zeichen gelebter Lernkultur. Insbesondere in kleinen Betrieben ist Lernen selten formal organisiert, sondern ein fester Bestandteil des Arbeitsalltags. Entscheidend ist daher, sich bestehende Lernpraktiken bewusst zu machen und durch verlässliche Strukturen zu stärken.


Schlüsselrolle von Führung und Unternehmenskultur

Führungskräfte schaffen die Voraussetzungen für Lernen: Sie ermöglichen Lernzeit, begleiten Entwicklung und gehen selbst mit gutem Beispiel voran. Mentoring und Coaching sind dabei zentrale Hebel. Gleichzeitig braucht es klare Strukturen und die Unterstützung durch die Geschäftsführung, damit Lernen nicht zur Zusatzbelastung wird. 

Letztlich entscheidet die Unternehmenskultur darüber, ob Lernen tatsächlich stattfindet. Eine wirksame Lernkultur stärkt Eigenverantwortung, fördert offenen Dialog und etabliert eine konstruktive Fehlerkultur. Dafür muss Lernen als strategischer Bestandteil der Organisation gedacht werden.


Fazit

Generationenübergreifendes Lernen gelingt, wenn Weiterbildung im Unternehmen nicht an Altersklischees, sondern an Aufgaben, Rollen und Lebensphasen ausgerichtet wird. Mit passenden Lernumgebungen, geschützter Lernzeit und einer starken Lernkultur entsteht ein klarer Wettbewerbsvorteil: 

Wissen bleibt im Unternehmen, Kompetenzen wachsen schneller und Veränderungen werden gemeinschaftlich gestaltet.


Quellen:


Bitkom Akademie & HRpepper (2025): Weiterbildungsstudie 2025 – Weiterbildung im Wandel: Wie KI und Digitalisierung das Lernen verändern [Studie]: https://bitkom-akademie.de/sites/default/files/bitkom-akademie_studie-weiterbildung-2025.pdf (letzter Abruf: 23.06.2026).

Deloitte (2025): 2025 Gen Z and Millennial Survey: Deloitte Global: https://www.deloitte.com/global/en/issues/work/genz‑millennial‑survey.html (letzter Abruf: 16.01.2026).

Dehnbostel, P. (2024): Neugestaltung der betrieblichen Weiterbildung in der digitalen Transformation. In: Magazin erwachsenenbildung.at. Das Fachmedium für Forschung, Praxis und Diskurs. Ausgabe 51, 2024: https://www.pedocs.de/volltexte/2024/30125/pdf/MEB_2024_51_Dehnbostel_Neugestaltung_der_betrieblichen.pdf (letzter Abruf: 16.01.2026)

IU Internationale Hochschule (2024): IU Lernreport 2024: So lernt Deutschland [Studie]: https://www.iu.de/forschung/studien/lernreport-2024/ (letzter Abruf: 16.01.2026).


Maximilian Auth ist Mitarbeiter im Fachbereich „Fachkräftesicherung“ beim RKW Kompetenzzentrum. ​

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Luisa Bill ist Mitarbeiterin im Bereich „Fachkräftesicherung“ beim RKW Kompetenzzentrum. 

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