RKW EXPERTISE


Arbeitgebermarke
stärken: der praxisnahe KMU-Ansatz


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​Es mutet paradox an: Kleine und mittlere Unternehmen (KMU) haben eigentlich gute Karten, attraktiv für Bewerbende zu sein – insbesondere für die Generation Z. Leider ist sich ein Großteil der Gen Z dessen nicht bewusst oder macht zu wenig daraus. Wenn wir über attraktive Arbeitgebende sprechen, denken viele zuerst an große Marketingbudgets, bekannte Marken, internationalen Ruf und Spitzengehälter. Als Verantwortliche oder Verantwortlicher in einem KMU nicken Sie bei dieser Liste womöglich innerlich ab: „Das ist nicht unsere Liga.“ Doch kommt es wirklich darauf an? Wäre Arbeitgeberattraktivität vor allem eine Frage von Budgets und Weltruhm, bestünde die unternehmerische Landkarte Deutschlands aus einigen wenigen Punkten. 

Vom Vorteil, klein zu sein

In unruhigen Zeiten sind ein angemessenes Gehalt und das Gefühl von Sicherheit über alle Generationen hinweg wichtig. Bei der Bezahlung liegen große Unternehmen jedoch häufig so weit vorne, dass ein vollständiges Angleichen für KMU wirtschaftlich kaum realistisch ist. Entscheidend ist jedoch: Diese beiden Faktoren allein reichen längst nicht aus, um Mitarbeitende zu binden oder neue Fachkräfte zu gewinnen.


Kleine Unternehmen punkten mit anderen, gelebten Attraktivitätsmerkmalen, die große Arbeitgebende oft weniger überzeugend bieten können. Dazu gehören:

  • sinnstiftende Tätigkeiten, 
  • flexible Arbeitsbedingungen, 
  • eine erkennbare Unternehmenskultur, 
  • familiärer Umgang, 
  • flache Hierarchien und 
  • echte Beteiligung.

Also all das, wonach insbesondere die Generation Z immer häufiger fragt. Für die Generation Y sind vor allem folgende Merkmale ausschlaggebend:

  • alltagsnahe und verlässliche Flexibilität,
  • individuelle Lösungen und 
  • eine gute Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

Erfahrene Fachkräfte 50 plus schätzen zudem vor allem:

  • Wertschätzung, 
  • Gestaltungsspielräume und 
  • weniger Bürokratie.

Natürlich sind diese Aspekte nicht exklusiv KMU vorbehalten. Aber sie werden dort häufig unmittelbarer und authentischer gelebt – und genau das wird im Personalmarketing oft unterschätzt. Das Problem vieler KMU ist daher weniger ein Mangel an Attraktivität als Arbeitgeberin oder Arbeitgeber, sondern ein Mangel an Bewusstsein und Sichtbarkeit für ihre eigenen Stärken. Arbeitgeberattraktivität bei KMU beginnt damit, die eigenen Attraktivitätsmerkmale systematisch zu identifizieren und konsequent nach außen zu zeigen – als Arbeitgeberin oder Arbeitgeber und auch als ausbildendes Unternehmen. Genau aus dieser Überlegung heraus ist die Projektidee LIA (Leuchtturminitiative Arbeitgeberattraktivität) entstanden.

Das Problem vieler KMU ist weniger ein Mangel an Attraktivität als Arbeitgeberin oder Arbeitgeber, sondern ein Mangel an Bewusstsein und Sichtbarkeit für ihre eigenen Stärken.


LIA – Ein Weg zu mehr Sichtbarkeit und Arbeitgeberattraktivität

Worum geht es bei LIA? Die LIA‑Herangehensweise beruht auf der Erkenntnis, dass gerade kleine und mittlere Unternehmen ein unvollständiges und damit weniger authentisches Bild von sich als Arbeitgebende besitzen: schlummernde Potenziale, die für das Personalmarketing brachliegen. Durch das Feedback der Mitarbeitenden einerseits und die Analyse der digitalen Präsenz andererseits gewinnen Unternehmen nicht nur erste Hinweise auf Verbesserungsbedarf, sondern auch auf bislang ungenutzte Chancen. 

Das bisherige Arbeitgeberversprechen wird mit der Realität abgeglichen (Gap‑Analyse). Danach sind die Teilnehmenden ihrer eigenen authentischen Arbeitgeber‑DNA einen Schritt näher. Neben die bisherigen Stellenanzeigen gelegt und sich bewusst machend, dass heute Angebotsorientierung Pflicht in der Darstellung nach außen ist, lässt sich das eigene Profil schärfen und glaubwürdiger machen. Das ist noch keine ausformulierte Arbeitgebermarke, aber diesen Weg zu beginnen, hebt ein Unternehmen bereits positiv aus der Masse vieler anderer KMU hervor. Mit dieser pragmatischen Ist‑Analyse lässt sich projektbezogen entscheiden, welche Quick-Wins möglich sind, um sichtbarer und authentischer nach außen zu kommunizieren.

Die Karriereseiten bieten den naheliegendsten Hebel, um mit vergleichsweise wenig Aufwand sichtbarer zu werden und sich attraktiver zu präsentieren.


Beispiele aus der Praxis

Seit 2024 testet das RKW Kompetenzzentrum den LIA‑Weg mit einzelnen KMU, um zu schauen, wie weit sein aufgabenbezogener Ansatz trägt. Bisher kamen stets digitale Projektideen in der sich anschließenden zweiten Phase auf den Tisch, in der ein unternehmensspezifischer Schwerpunkt gewählt werden muss. Fast immer rückte der Website‑Auftritt – insbesondere der Karrierebereich und die Darstellung von Ausbildungsinhalten – in den Fokus.

Während vielerorts über die Nutzung sozialer Medien diskutiert wird, bieten die Karriereseiten den naheliegendsten Hebel, um mit vergleichsweise wenig Aufwand sichtbarer zu werden und sich attraktiver zu präsentieren.  

Arbeitgeberattraktivität lebt von Authentizität, Information und den richtigen Botschaften. Da führt kein Weg am eigenen Karrierebereich vorbei. 

Ida König von der VitaConSana GmbH aus Wernigerode zu LIA:

„Wir sind in dieses Projekt komplett bei null gestartet – ohne Azubi‑Content auf unserer Website, aber mit dem Ziel im Blick, uns als Ausbildungsbetrieb online zu präsentieren. Rückblickend war das Projekt genau der Anschub, den wir dafür gebraucht haben. Schritt für Schritt kamen wir so von den ersten Ideen und Textskizzen zur fertigen Ausbildungsrubrik auf unserer Website.

Besonders hilfreich war für uns die Mischung aus den regelmäßigen Workshops mit konstruktivem Feedback, Werkstätten mit praxisrelevantem Wissens‑Input und kurzen Online‑Check‑ins zum Austausch. Das hat es uns erleichtert, neben dem Tagesgeschäft dranzubleiben und zu sichtbaren Ergebnissen zu kommen. Alles, was wir im Rahmen des Projekts gelernt haben, werden wir jetzt nach und nach auf unsere Karriereseite und den gesamten Online‑Auftritt übertragen.

Für uns war das Projekt insgesamt ein wertvoller Anstoß, um das Thema Ausbildung auch online sichtbar zu machen – strukturiert, nachhaltig und praxisnah.“

Womit wir auch zu einer schlichten Schlussbemerkung kommen: Ein großer Teil des KMU‑Wegs besteht darin, diese ersten Schritte überhaupt zu gehen – und zu erleben, dass mit weniger Aufwand als gedacht bereits sichtbare Fortschritte möglich sind. Entscheidend ist danach, dranzubleiben. Voraussichtlich 2027 wird aus dem pilotierten Ansatz ein bundesweites Projekt.


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Quelle: RKW Kompetenzzentrum/2026, GettyImages_ipopba

Bruno Pusch ist Mitarbeiter im Fachbereich „Fachkräftesicherung“ beim RKW Kompetenzzentrum.

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