Warum Sie KI nicht aussitzen sollten





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Viele Unternehmen beobachten die Entwicklung rund um KI derzeit noch abwartend. Angesichts knapper Ressourcen und vieler anderer Herausforderungen ist das nachvollziehbar. Statt zu fragen, ob die Technologie relevant ist, sollten Sie jedoch fragen: Verpasse ich gerade eine Chance?

KI wird zur Frage der Wettbewerbsfähigkeit

Wenn wir mit Unternehmen über KI sprechen, geht es selten um die Technologie selbst. Die eigentlichen Fragen sind meist sehr praktisch: Wie können wir produktiver werden? Wo lassen sich Prozesse beschleunigen? Und wie können wir mit den vorhandenen Ressourcen mehr Wertschöpfung erzielen?

Gemeinsam mit meinem Kollegen Julian Weller vom Fraunhofer IEM habe ich kürzlich in meinem Tech Talk darüber gesprochen, warum sich der Einsatz von KI gerade jetzt lohnt. In den vergangenen Jahren hat sich viel verändert. Früher ging es häufig darum, einzelne Optimierungspotenziale zu erkennen – etwa Ausschuss zu reduzieren oder Anlagen etwas effizienter zu betreiben.

Heute können moderne Sprachmodelle Informationen aus unterschiedlichsten Quellen zusammenführen: Maschinendaten, Erfahrungswissen von Mitarbeitenden, technische Dokumentationen oder Serviceinformationen. Dadurch wird nicht nur sichtbar, dass ein Problem auftritt. Oft lässt sich auch besser verstehen, warum es auftritt und welche Maßnahmen sinnvoll sind. Das eröffnet neue Möglichkeiten – gerade für Unternehmen mit kleineren Stückzahlen, Sondermaschinen oder individuellen Fertigungsprozessen. Genau das beobachten wir derzeit in vielen Unternehmen der Maschinenbauregion Ostwestfalen-Lippe. Microsoft-Chef Satya Nadella hat es treffend formuliert: Nicht diejenigen, die KI entwickeln, werden die Gewinner sein. Sondern diejenigen, die sie nutzen.


Warum Abwarten riskant ist

Die größte Gefahr besteht darin, gar keine Erfahrungen zu sammeln. KI-Kompetenz entsteht nicht über Nacht. Als Unternehmerin oder Unternehmer müssen Sie verstehen, wo KI helfen kann, welche Daten benötigt werden, welche Grenzen die Technologie hat und wie Mitarbeitende sinnvoll eingebunden werden. Antworten finden Sie vor allem, indem Sie Fragen stellen und ausprobieren.

Dafür müssen Sie nicht gleich die gesamte Organisation umbauen. Aber Sie sollten jetzt geeignete Anwendungsfelder identifizieren und erste Erfahrungen sammeln. 

Ein gutes Beispiel dafür ist der Verbindungselemente-Hersteller Böllhoff. Bereits kurz nach dem Aufkommen von ChatGPT entwickelte das Unternehmen eine eigene sichere KI-Umgebung, erfuhr ich in einem weiteren Talk meiner Youtube-Reihe. Aus heutiger Sicht, so berichtet Kevin Jostmeyer-Zelles, Head of Transformation & Innovation bei Böllhoff, war diese erste Lösung technisch schnell überholt. 

Trotzdem war sie ein Erfolg. Denn Böllhoff sammelte früh wertvolle Erfahrungen, konnte Chancen und Risiken besser einschätzen und Mitarbeitende für das Thema begeistern. Heute nutzt das Unternehmen eine leistungsfähige Plattform, die KI in den Arbeitsalltag integriert und vielfältige Anwendungsmöglichkeiten bietet.

VON DER EUPHORIE IN DIE PRAXIS 

KI im Mittelstand wirksam nutzen

 

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Quelle: RKW Kompetenzzentrum/2026, GettyImages_ipopba

Was Unternehmen riskieren, wenn sie KI nur beobachten

Wer zögert, verliert vor allem Zeit. Bleiben Sie nicht auf der Zuschauerbank, während andere Unternehmen Erfahrungen sammeln, Infrastruktur aufbauen, Anwendungsfälle testen und Mitarbeitende qualifizieren. Und ihre Produktivität steigern. 

Gleichzeitig wird der Umgang mit KI für Fachkräfte immer relevanter. Unternehmen, die moderne Werkzeuge und sinnvolle Experimentiermöglichkeiten bieten, werden attraktiver – für bestehende und zukünftige Mitarbeitende.


Abschauen ist ausdrücklich erlaubt

Die gute Nachricht: Niemand muss bei null anfangen. Gerade als mittelständisches Unternehmen können Sie von KI profitieren, weil Sie ihre Prozesse, Kunden und Herausforderungen oft sehr genau kennen. Verstehen Sie dieses Wissen also als einen großen Vorteil.

Am Fraunhofer IEM erleben wir immer wieder, wie konkret KI bereits heute eingesetzt wird. Der Verbindungstechnik-Spezialist WAGO analysiert beispielsweise systematisch Kundenfeedback aus Fachforen, sozialen Netzwerken und Online-Communities. Die gewonnenen Erkenntnisse fließen direkt in Produktentwicklung und strategische Planung ein. Der Landmaschinen-Hersteller CLAAS wiederum erprobt KI-basierte Assistenzsysteme in der Fertigung. Mitarbeitende erhalten relevante Informationen genau dann, wenn sie benötigt werden. Einarbeitungszeiten verkürzen sich, erfahrene Fachkräfte werden entlastet und Wissen bleibt im Unternehmen verfügbar.


Warum Netzwerke wichtig sind

Innovation entsteht selten allein. In Ostwestfalen-Lippe wissen wir das seit vielen Jahren. Unsere Zusammenarbeit mit WAGO und CLAAS wurde durch Initiativen wie it’s OWL oder die Datenfabrik.NRW möglich. Aktuell bauen wir mit dem Leistungszentrum Engineering Automation die nächste Plattform für den Austausch zwischen Wirtschaft, Forschung und Technologieanbietern auf.

Das Erfolgsrezept ist einfach: Unternehmen bringen ihre Herausforderungen ein. Start-ups entwickeln neue Lösungen. Forschungseinrichtungen schaffen Räume zum Ausprobieren und helfen, Risiken zu reduzieren. 


Nicht abwarten, sondern machen. KI-Kompetenz entsteht durch Anwendung.

Prof. Dr.-Ing. Roman Dumitrescu ist Direktor am Fraunhofer-Institut für EntwurfstechnikMechatronik IEM und Leiter des Fachgebiets »Advanced Systems Engineering«am Heinz Nixdorf Institut der Universität Paderborn. Sein Forschungsschwerpunkt istdie Produktentstehung intelligenter technischer Systeme. Insbesondere im modellunddatenbasierten Engineering forscht Prof. Dumitrescu an neuen Lösungen entlangdes gesamten Produktlebenszyklus.
In Personalunion ist Prof. Dumitrescu Geschäftsführer des Technologienetzwerks IntelligenteTechnische Systeme OstWestfalenLippe (it‘s OWL). Er ist unter anderemMitglied in der deutschen Akademie der Technikwissenschaften (acatech), Mitglied imExpertenkreis des Innovationsdialogs der Bundesregierung, Forschungsbeirat derForschungsvereinigung 3-D MID e.V., Verwaltungsrat des RKW Kompetenzzentrumssowie Initiator der beiden Tech-Startups Two Pillars GmbH und AI Marketplace GmbH.Darüber hinaus engagiert er sich mit dem Podcast „OUTATIME – Visionen. Technik.Zukunft.“ und der YouTube-Serie „Prof. Dumitrescu Tech Talk“ für eine innovative undzugängliche Wissenschaftskommunikation zu Zukunftstechnologien, Künstlicher Intelligenzund Engineering.

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